Es worde nur Pladde geschwadzt

Mundarttag in Lohfelden: Axel-Herwig-Preis an die Organisatoren verliehen

Lohfelden. Beim nordhessischen Mundarttag in Lohfelden haben sich am Sonntag Menschen aus der Region getroffe. Die Organisatoren wurden mit dem Axel-Herwig-Preis ausgezeichnet. 

Hatte mit der Technik zu kämpfen, dafür leichtes Spiel mit der Mundart: Hans-Peter Pütz.

Wenn Roland Siebert beginnt, einmal richtig nordhessisch „Pladde zu schwadzen“, dann muss man schon ganz genau hinhören. So auch am Sonntagnachmittag beim Mundarttag in Lohfelden, wo der Vorsitzende der Gesellschaft für Nordhessische Mundarten mit Sitz in Neuental (Schwalm-Eder-Kreis) seiner Heimatsprache verbal den roten Teppich ausrollte: „En Hoch off de Heimad, de Värfohrn, des Land, sinne Eechen onn Kubben, d’n Edersee-Strand. En Hoch off die alle, die de Mundoard noch kunn, onn die se so baale net härgäawen wunn!“ Und von denen, die die Mundart tatsächlich noch beherrschen und sie auch so schnell nicht hergeben wollen, waren reichlich zum munteren Schwadzen unter dem Motto „Mä sinn mä“ gekommen.

Mundart ist wieder in, das bewiesen die vollen Stuhlreihen im Bürgerhaus. Dass die jüngeren Semester fehlten, unterstrich die Wichtigkeit der Arbeit von Siebert und seinen Mitstreitern. „Um auch Kinder und Jugendliche zu erreichen, werden immer mehr Mundartwerkstätten gegründet“, verkündete er stolz. So könne dem Nachwuchs vermittelt werden, dass die nordhessische Sprache viel mehr als nur volkstümlich sei, wo schließlich könne man aus einem „ unleidlichen Frauenzimmer“ kurzerhand eine „Jewidderziege“ machen?

Pladde macht Spaß, das bewies nicht nur Siebert, sondern auch die vielen Darsteller aus ganz Nordhessen, die mit ihren Sketchen und Vorträgen den Saal zum Beben brachten. Karle und Ännchen fehlten zwar, „weil’s Ännchen krank daheeme is un de Karle kan Sketch für zweie uffführen kann“, dafür lag allen anderen von der Niester Mundart- über die Lohfeldener Laien- bis hin zurBaunataler Betzelgruppe die Heimat förmlich auf der Zunge. Mit typisch nordhessischem Humor nahmen sie den Kassel Airport aufs Korn, gingen „uff Kreuzfahrt“ und fragten sich mit Reinhard Brüning vomIsthaer Heimatverein, was alles mit dem Thema Heiraten zusammenhängt: „Friggen unn watt alles dooamedde toosammenhänngt.“

Reiner und Krimhilde Birkenstock verstanden ihn gut. Nicht nur, weil sie seit vielen Jahren verheiratet sind, sondern auch, weil sie mit Herzblut fürs Überleben der Mundart kämpfen. Dafür gab es am Ende eine Überraschung, als Siebert die Organisatoren des diesjährigen Mundarttages mit dem Axel-Herwig-Preis auszeichnete. Passend dazu holte der Sprachbewahrer noch einmal seinen Spruch vom Anfang raus, diesmal in Liedform: „En Hoch off die alle, die de Mundoard noch kunn, onn die se so baale net härgäawen wunn!“

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