Initiative aus religiösen Gründen

Muslimische Beerdigungstradition:  Bestattung künftig ohne Sarg?

Sargpflicht gelockert: In Hessen sind seit 2013 sarglose Bestattungen möglich. Der örtliche Ausländerbeirat hat jetzt beantragt, auch in Lohfelden Beerdigungen nach muslimischer Tradition zu gestatten. Foto: privat / nh

Lohfelden. Auf Friedhöfen in Lohfelden sollen künftig Bestattungen ohne Sarg zugelassen werden. Das hat der Ausländerbeirat der Gemeinde beantragt.

Außer einer Änderung der Friedhofs- und Bestattungsordnung schlägt der Beirat mit dem Antrag auch die Anschaffung eines Gebetssteins für den Hauptfriedhof Lohfelden vor.

Die Initiative beruhe auf religiösen Gründen, sagte Fatmir Alili (SPD). Mit einem weiter steigenden Anteil auch alter Menschen muslimischen Glaubens und ihrer familiären und sozialen Verwurzelung in Deutschland sei der Wunsch verbunden, entsprechende Bestattungsformen anzubieten, sagte der Vorsitzende des Ausländerbeirats und Gemeindevertreter. Alili betonte, dass Beerdigungen nach islamischer Tradition, also nur im Leichentuch, seit März 2013 von den Gemeinden in Hessen zugelassen werden dürfen. Das sei vorher nicht möglich gewesen.

In Kassel oder Kaufungen können Muslime aus religiösen Gründen bereits ohne Sarg bestattet werden. Die geänderten Satzungen schreiben vor, dass der Leichnam bis zum Grab in einem Sarg transportiert werden muss. Bislang werden Beisetzungen nach islamischer Tradition dort nach Informationen unserer Zeitung allerdings eher selten in Anspruch genommen.

Korrekter Lebensabgang

Ein wichtiger Faktor im Leben eines Muslims ist sein islamisch korrekter Lebensabgang: Bei dem religiösen Ritual wird der Leichnam dreimal gewaschen und in einem mit drei weißen Baumwolltüchern ausgeschlagenen Sarg gebettet. Dann werden die Tücher in einer vorgeschriebenen Reihenfolge über ihm zusammengeschlagen. Der Sarg wird auf einem Gebetsstein aufgebahrt. Bevor männliche Angehörige den Sarg zur Grabstelle tragen, spricht der Imam ein Gebet.

In südhessischen Gemeinden hat es Schwierigkeiten bei der Umsetzung der von den Parlamenten abgesegneten Bestattungen nach muslimischer Tradition gegeben: Ein Sarg sei mittels Seilen leichter auf 1,75 Meter abzusenken als ein in Tücher gehüllter Leichnam, hieß es. Eine Leiter sei nötig gewesen, mit deren Hilfe die Angehörigen in die schmale Grube hinabsteigen müssten. Auch von hygienischen Bedenken war die Rede. Oder vom muslimischen Gebot der „ewigen Ruhe“. Diese Vorstellungen seien mit einschlägigen Friedhofsregelungen und Gebühren für eine Grabstätte auf Zeit nicht vereinbar, so ein Beerdigungsunternehmer.

Ausschuss berät zunächst

In Lohfelden wurde der Antrag des Ausländerbeirats von der Gemeindevertretung ohne Aussprache an den zuständigen Ausschuss verwiesen. Gleichzeitig wurde der Gemeindevorstand gebeten, auch die Friedhofskommission zu hören und in die Beratungen einzubinden.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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