Lohfeldener sagt: Ihm wurde Geld des Arbeitgebers gestohlen

Nach Überfall kam die Kündigung

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Am Tatort: Ronny Dienemann ist am 1. Februar an dieser Stelle in Vollmarshausen überfallen worden. Dabei wurde ihm laut eigener Aussage von zwei Männern Geld abgenommen – Geld von seinem Arbeitgeber. 

Lohfelden. Ronny Dienemann ist überfallen worden, sagt er. Die Täter hätten ihm Geld, das seinem Arbeitgeber gehört, gestohlen. Nun ist der Mann aus Lohfelden seinen Job los.

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- Das sagt der Arbeitgeber

- Das sagt das Arbeitsgericht

Die linke Wange von Ronny Dienemann aus Lohfelden ist immer noch leicht blau gefärbt. Anfang Februar ist er auf dem Fußweg nach Hause von zwei unbekannten Männern überfallen worden. Sie nahmen ihm Geld ab, das seinem Arbeitgeber gehört – der wiederum wollte sich das Geld per Darlehensvertrag bei ihm zurückholen. Weil Dienemann diesen nicht unterschrieb, wurde ihm jetzt gekündigt – und er wandte sich daraufhin an die HNA.

Dienemann, der erst seit November in Vollmarshausen lebt, sei am späten Abend des 1. Februar an der Haltestelle „Friedhof“ aus dem Bus gestiegen. Weil es nur auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Bürgersteig gibt, wechselte er die Seite, wo er plötzlich von zwei Männern von hinten überrascht wurde. Wie er auch der Polizei berichtete, die er im Anschluss anrief, drückten ihn die Täter zu Boden. „Sie tasteten mich ab und nahmen die dicke Geldbörse aus meiner Gesäßtasche“, berichtete der Mann im Gespräch mit der HNA.

Polizei ermittelt

Wie Polizeisprecher Torsten Werner auf HNA-Anfrage mitteilt, ermittelt die Polizei aktuell wegen des Verdachts des Straßenraubes gegen Unbekannt. Zeugenhinweise zu der Tat lägen den Ermittlern nicht vor: „Auch nach der Presseveröffentlichung gab es keine Hinweise“, so Werner.

Die mehr als 3800 Euro, die Dienemann in einer Geldbörse getrennt von seinem privaten Geld bei sich getragen habe, stammten aus Aufträgen, die er an diesem Tag hatte. Er arbeitete vier Jahre lang bei einem Möbeltransportunternehmen aus Lohfelden. „Wenn wir erst spät abends von der Tour zurückkommen, nehmen wir das Geld mit nach Hause.“ Er habe auch schon mal bis zu 20.000 Euro bei sich getragen.

Sein Arbeitgeber habe daraufhin zwei Kollegen zu ihm nach Hause geschickt: Dienemann sei gerade mit dem Hund spazieren gewesen, sein Nachbar öffnete die Tür. „Ist Ronny da?“, hätten die Männer gefragt und einen Zettel hingehalten, berichtet der Nachbar.

„Chef wusste von nichts“

Von dem Spaziergang zurückgekehrt, habe er eine Kündigung in seinem Briefkasten vorgefunden. Sofort habe er seinen Chef angerufen. „Er war beim Eishockey und tat so, als ob er von nichts wüsste.“ Die Kündigung begründet der Arbeitgeber in dem Schreiben mit „verhaltensbedingten Gründen“ – „wahrscheinlich, weil ich den Darlehensvertrag nicht unterschrieben habe“, vermutet Dienemann. Dabei sei er bereits am Mittag, obwohl krankgeschrieben, in der Firma gewesen. Schon da habe ihn der Chef gefragt, wie man das mit dem Geld denn nun machen wolle. „Er sagte mir, mit einem Darlehensvertrag sei alles erledigt. Eine Unterschrift wäre aber wie ein Schuldeingeständnis gewesen“ – das kam für ihn nicht in Frage, schließlich sei er überfallen worden, sagt Dienemann, der beim Arbeitsgericht nun Klage eingereicht hat.

Arbeitgeber: „Ich bin der Geschädigte“

Es gebe einige Dinge, die komisch seien, sagt Arnd Ukleia, Geschäftsführer des besagten Transportunternehmens aus Lohfelden auf Nachfrage der HNA. „Ich weiß nicht, weshalb er das Geld durch die Stadt geschleppt hat.“ Laut Plan sei die Tour von Dienemann und seinem Fahrer an dem Tag des Überfalls um 17.45 Uhr beendet gewesen. „Unser Büro hat bis 19 Uhr geöffnet, er hätte es also abgeben müssen.“ 

Ausgerechnet an diesem Tag habe er das nicht getan und sei „angeblich überfallen“ worden. Laut Polizeiangaben haben die Beamten „bislang keine Ermittlungen wegen des Vortäuschens einer Straftat gegen den 39 Jahre alten Anzeigenerstatter und Opfer des Überfalls“ aufgenommen. 

Ukleias Mitarbeiter meldeten sich grundsätzlich nach einer Tour im Büro ab, Geld werde nicht mit nach Hause genommen, sondern vorher abgerechnet. Zumindest würden das 80 Prozent der Angestellten so handhaben. „Bei Mitarbeitern, die seit Jahrzehnten bei uns arbeiten, gibt es bei kleineren Geldbeträgen auch mal eine Ausnahme“, so Ukleia – allerdings sage er ihnen dann, dass sie die Verantwortung dafür tragen. 

Dienemanns Angabe, schon einmal 20.000 Euro dabei gehabt zu haben, sei falsch: „So viele Möbel können wir am Tag gar nicht ausliefern“. Zudem werde seit zwei Jahren auch mit EC-Cash gearbeitet. Und: An dem Abend des Überfalls habe Dienemann sich abgemeldet, ohne allerdings zu sagen, wie viel Geld er dabei habe.

Das sagt das Arbeitsgericht

„Hemmschwelle ist niedriger“

Laut Wolfgang Leinweber, Pressesprecher des Arbeitsgerichts, liegt dem Arbeitsgericht eine Klage von Ronny Dienemann vor. Eine Güteverhandlung sei für den 21. April angesetzt. Es gehe dabei in erster Linie um die Kündigung des Arbeitsverhältnisses, so Leinweber. Die Art der Kündigung sei gleichzusetzen mit der betriebsbedingten oder der personenbedingten Kündigung, etwa wegen Krankheit. „Er soll etwas angestellt haben – Unterschlagung von Geld wäre so ein Grund.“ 

Dass der Darlehensvertrag nicht unterzeichnet wurde, reiche dafür nicht aus. Seinen Vorwurf müsse der Arbeitgeber bei der Verhandlung belegen. Leinweber merkt an, Diebstahl und Untreue kämen so selten in einem Arbeitsverhältnis nicht vor. Schließlich sei die Hemmschwelle, Geld zu unterschlagen, in einem Arbeitsverhältnis niedriger als im Bekanntenkreis. 

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