15 Verhandlungstage angesetzt

Prozess wegen Brandstiftung: Angeklagter will schweigen

Dramatische Bilder: Dicker Rauch quoll am frühen Abend des 26. Oktober 2013 aus dem Wohn- und Geschäftshaus in der Lohfeldener Hauptstraße. Bei dem Feuer, das der 40-Jährige gelegt haben soll, um anschließend die Versicherungssumme zu kassieren, wurden zwei Frauen verletzt. Archivfoto:  Koch

Kassel / Lohfelden. Es wird auf einen langwierigen, reinen Indizienprozess hinauslaufen: Vor dem Kasseler Landgericht sagte der 40-jährige Angeklagte aus Lohfelden am Donnerstag zum Prozessauftakt: „Ich äußere mich nicht dazu."

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Staatsanwältin Dr. Alena Hartwig-Asteroth wirft dem Lohfeldener schwere Brandstiftung und versuchten Versicherungsbetrug vor.

Er soll am 26. Oktober 2013 in einem Wohn- und Geschäftshaus an der Hauptstraße in Lohfelden in dem von ihm betriebenen Ladenlokal Feuer gelegt haben, um den entstehenden Brandschaden unter Vorspiegelung eines Versicherungsfalles von der Sparkassen Versicherung ersetzt zu bekommen.

Laut Staatsanwältin hat der Mann gegen 17.40 Uhr im Keller des Hauses Benzin verschüttet und die sich entwickelnden Dämpfe später mit einem noch nicht näher definierten Zeitzünder zur Explosion gebracht.

Die Flammen hatten damals auch auf das Wohnhaus übergegriffen, zwei darin lebende Frauen wurden mit dem Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

Bei den Löscharbeiten erlitt ein Feuerwehrmann eine Schnittverletzung an der Hand. Der Sachschaden war damals auf 100 000 Euro beziffert worden. Zwei Tage später, so die Anklägerin weiter, sei der Lohfeldener bei seiner Versicherungsagentur aufgetaucht und habe eine manipulierte Schadensaufstellung vorgelegt. Dabei habe er auch Kundenkonten so frisiert, als ob die darauf verzeichneten Waren mit verbrannt wären. Insgesamt machte der 40-Jährige einen Schaden von 81 616 Euro geltend. Den Vertrag hatte er erst am 22. August 2013 abgeschlossen.

Die Versicherung zahlte aber nicht, weil sie von den inzwischen angelaufenen Ermittlungen der Kriminalpolizei erfahren hatte. Der Angeklageverlesung durch die Staatsanwältin folgte der Lohfeldener äußerlich ungerührt. In rotem Pullunder und Jeans gekleidet, mit modischer Brille und Kurzhaarfrisur machte der korpulente Mann einen ruhigen und selbstbewussten Eindruck.

Sein Verteidiger, der Kasseler Anwalt Bernd Pfläging, verwies am Rande des Prozesses darauf, dass sein Mandant auch bei allen vorherigen Vernehmungen durch die Polizei zu den Vorwürfen nichts gestanden habe und die Zündquelle des Feuers bislang ungeklärt sei.

Für die Aufgabe, dem Angeklagten die Tat nachzuweisen, hat das Gericht unter Vorsitz von Richter Stanoschek 15 Verhandlungstage anberaumt. 37 Zeugen und zwei Sachverständige wurden geladen und sollen in den nächsten Wochen angehört werden.

Großeinsatz in Lohfelden nach Explosion

Bei einem Schuldspruch droht dem Angeklagten eine Freiheitsstrafe zwischen fünf und 15 Jahren.

Die Strafandrohung ist deshalb so hoch, weil bei dem Feuer auch Menschen hätten zu Tode kommen können, erläuterte die Staatsanwältin.

Der Prozess wird am Mittwoch, 14. Januar, um 9 Uhr im Saal D 130 des Landgerichtes Kassel, Frankfurter Straße, fortgesetzt.

Von Thomas Stier

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