Immer mehr Menschen heizen mit Holz

Atembeschwerden und Gestank: Rauch sorgt für dicke Luft in Lohfelden

Lohfelden. Eine Lohfeldenerin klagt über Rauch und Gestank in der Luft. Die Ursache: Immer mehr Nachbarn heizen mit Holz. Der Gemeinde liegen inzwischen fünf Beschwerden vor.

Rauch und Gestank in der Luft – und das mitten im Wohngebiet, fernab von Autobahn und Industrie. An den Wänden sind leichte Rußflecken zu erkennen, der Rauch kommt selbst durch die Türritzen. „Meine Nachbarn räuchern mich seit 15 Jahren zu“, beschwert sich Sandra Rohde, Anwohnerin der Straße „Hinter den Höfen“ im Lohfeldener Ortsteil Vollmarshausen. Die Ursache für den beißenden Geruch: Ihre Nachbarn heizen mit Holz.

„Inzwischen sind es nur noch vier oder fünf Anwohner, die nicht mit Holz heizen“, berichtet Rohde. Selbst bei Windstille stehe der Rauch, man fühle sich wie im Dunst. Das Auswechseln der Fenster vor zwei Jahren habe zwar geholfen, seitdem komme kein Rauch mehr durch, „aber öffnen kann ich sie trotzdem nicht“. Durch das wenige Lüften seien in einigen Räumen bereits Schimmelflecke entstanden. „Meine Lebensqualität ist gen Null gesunken, meine Nerven liegen komplett blank“, sagt die Lohfeldenerin, die aufgrund der Lebensumstände ab und zu an Atembeschwerden leidet.

Im Rathaus ist die Heiz-Problematik in der Straße „Hinter den Höfen“ seit Jahren bekannt. Seit April 2017 habe es – auch aus den Ortsteilen Crumbach und Ochshausen – insgesamt fünf Beschwerden gegeben. „Die Gemeinde kann leider nicht dagegen vorgehen. Wir weisen unsere Einwohner regelmäßig im Blickpunkt darauf hin, ihr Holz richtig zu lagern und richtig zu verbrennen“, erklärt Bürgermeister Uwe Jäger (SPD). Zudem verweist er auf die Zuständigkeit des jeweiligen Bezirksschornsteinfegers, das Regierungspräsidium und den Landkreis Kassel. „Natürlich bitten wir die Beschwerdeführer, sich mit den betreffenden Nachbarn in Verbindung zu setzen“, so Jäger weiter.

Von Einsicht keine Spur

Das hat bei Sandra Rohde bisher jedoch nichts gebracht, von Einsicht bei ihren Nachbarn keine Spur: „Die haben mich zum Teil ausgelacht und überhaupt nicht ernst genommen. Und von Behörden wird man nur darauf verwiesen, die Sache auf privatrechtlichem Weg zu klären.“ Doch klagen will Rohde nicht, sie möchte keinen Streit. Sie sieht nur eine Lösung: „In diesem Fall kann nur die Politik helfen und das Heizen mit Holz verbieten.“ Und fügt hinzu: „Viele Menschen glauben ja immer noch, dass sie mit dem Verbrennen von Holz etwas Gutes für die Umwelt tun.“

Ein Umzug ist für Rohde zwar eine Option, aber „niemand kann mir garantieren, dass die Menschen dort dann nicht auch anfangen, mit Holz zu heizen.“ Von daher wolle sie weiterhin in Vollmarshausen wohnen.

Feinstaub ist eine Gefahr für die Gesundheit 

Laut der Schornsteinfeger-Innung Kassel gibt es im Landkreis etwa 40 000 holzbefeuerte Heizanlagen wie Kamin-, Kachel- oder Kesselöfen, im Stadtgebiet sind es schätzungsweise 15.000. 

Das Heizen mit Holz hat Folgen: Beim Verbrennen stößt Feinstaub und das giftige Kohlenmonoxid aus. Holz verbrennt in kleinen Heizöfen niemals so sauber und vollständig, wie es erforderlich wäre, um wirklich niedrige Schadstoffwerte (wie bei Ölheizungen) zu haben. Feinstaub sind winzige Staubpartikel in der Luft. Sie gelten als sehr gefährlich für die Gesundheit. Die weniger als zehn Mikrometer kleinen Partikel sind auch im Rauch erhalten, der bei der Verfeuerung von Holz entsteht. Feinstaub hat aber hauptsächlich andere Quellen. 

Die Staubteilchen sind so klein, dass sie beim Einatmen nicht in den Abwehrsystemen des Körpers – wie Nasenhärchen oder Schleimhäuten in Nase und Rachen – hängen bleiben, sondern bis tief in die Lunge gelangen. Dort können sie Entzündungen, Wucherungen, Asthma, Bronchitis oder auch Krebs auslösen. Laut einer Studie der Europäischen Union können hohe Feinstaubkonzentrationen sogar zum Herzinfarkt führen, weil die winzigen Partikel sogar bis in die Blutbahn gelangen können. In der Studie wurde ermittelt, dass in der Europäischen Union jährlich rund 400.000 Menschen an den Folgen von Erkrankungen sterben, die von den Feinstaubpartikeln ausgelöst wurden. Annähernd 66.000 davon sterben in Deutschland. 

46 Messstationen in ganz Hessen 

Der zulässige Tagesgrenzwert für Feinstaub liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In Kassel kommt es regelmäßig zu Überschreitungen: Allein im Jahr 2017 waren es 16 (2016: sieben, 2015: zwölf), zulässig sind 35 Überschreitungen pro Jahr. Für den gesamten Landkreis Kassel gibt es keine konkret erfassten Feinstaub-Werte, nur in Zierenberg steht eine sogenannte Immissionsmessstation des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie. In Hessen gibt es 36 dieser Stationen: 14 in Städten (eine in Kassel), elf im ländlichen Raum (zum Beispiel in Witzenhausen) und elf an Verkehrsschwerpunkten (auch an der Fünffensterstraße in Kassel). Neben Feinstaub werden auch Daten zu Ruß und Kohlenmonoxid erfasst.

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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