Interview mit Mitarbeitern und Auszubildenden

Schüler der Söhre-Schule Lohfelden zu Besuch auf dem KVG-Betriebshof

Für das Projekt "medien@schule" haben Zehntklässler der Söhre-Schule Lohfelden zum Thema öffentlicher Nahverkehr in und um Kassel recherchiert.

Ein Interview mit dem Leiter der Fahrschule, einem Fahrlehrer und drei Auszubildenden auf dem Betriebshof der KVG.

Frage an den Leiter der Fahrschule: Man hört in den Medien oft von Tarifstreiks, wie ist das mit den Tarifen wirklich bei Ihnen? Und werden ältere Mitarbeiter wirklich besser bezahlt als Neueinsteiger? 

Bei der KVG gibt es nur einen einzigen Tarif, der sogenannte TV-N. „TV-N“ bedeutet „Tarifvertrag Nahverkersbetriebe“. In diesem Tarif gibt es verschiedene Lohngruppen. Neueinsteiger fangen in der Lohngruppe 1 an und hocharbeiten kann man sich bis Lohngruppe 15. Grundsätzlich bekommt jeder dieselbe, seiner Lohngruppe entsprechende, Bezahlung. Ältere Mitarbeiter bekommen Zulagen.

Frage an einen Azubi: Diese Zulagen für ältere Mitarbeiter, ist das nicht unfair für Sie als Auszubildenden? 

Teilweise schon, aber eigentlich ist es schon verständlich. Ältere Mitarbeiter haben einfach einen gehobenen Lebenstandard, das wird bei mir später mal nicht anders sein.

Frage an den Leiter der Fahrschule und den Fahrlehrer: Diese angesprochenen Lohngruppen, was können Sie uns darüber erzählen? 

Ein normaler Busfahrer beginnt in Lohngruppe 4 und verdient 2100 Euro brutto. Nach drei Jahren steigt man innerhalb seiner Lohngruppe auf, eine Lohngruppe ist in fünf Teile unterteilt, so dass man nach 15 Jahren im normalen Fahrdienst eine Lohngruppe aufsteigt.

Frage an den Leiter der Fahrschule: Gibt es einen Grund für die Senkung der Löhne und die daraus resultierenden Tarifstreiks? 

Gründe dafür sind zum Beispiel, dass durch eine EU-Verordnung Ausschreiben durchgeführt werden, welcher Betrieb in einer Gegend fahren darf. Wenn man in diesem Konkurrenzkampf mithalten will, muss man einfach günstiger sein als die Konkurrenz. Des Weiteren ist die KVG ein städtischer Betrieb und muss selbständig und gut wirtschaften, wir bekommen nur begrenzt Zuschüsse von der Stadt.

Frage in die Runde: Warum haben Sie sich dazu entschieden bei der KVG zu arbeiten? 

Leiter der Fahrschule: Ich fahre einfach gerne, für mich geht von allem was einen Motor hat eine starke Faszination aus. Ich fahre in meiner Freizeit auch sehr gerne Motorrad. 
Azubi 1: Ich hatte ganz einfach Interesse am Unternehmen, also der KVG. Ich fand es ist ein Unternehmen mit Zukunft. 
Azubi 2: Bei mir war das eigentlich ziemlich spontan, ich wollte eigentlich etwas in Richtung Logistik lernen und wurde auf einer Berufsmesse angesprochenen. Da bin ich hier einfach so rein gerutscht und hab gemerkt, dass sowohl die Bezahlung als auch die Ausbildung sehr gut sind.
Azubi 3: Nach der Schule wollte ich eine Ausbildung machen, außerdem hatte ich Interesse am öffentlichen Nahverkehr. Da bot sich die KVG natürlich sehr gut an. Ich hatte einfach Interesse an Straßenbahnen, ich finde es ist ein anderes faszinierendes Fahren.

Frage an einen Azubi: Was macht eine Ausbildung bei der KVG in Ihren Augen attraktiv? 

Man wird ganz gut bezahlt und man bekommt Vergünstigungen, natürlich wenn man Bus und Bahn fahren möchte, aber auch wenn man zum Beispiel ins Auebad geht. Außerdem sehr wichtig ist, dass das Arbeitsklima zwischen den Kollegen einfach außergewöhnlich gut ist. Gemeinschaft ist für uns hier einfach sehr wichtig.

Frage an den Fahrlehrer: Ist der Beruf Busfahrer ein anstrengender Job? 

Ja, das ist er tatsächlich. Körperlich anstrengend ist er natürlich nicht, aber man muss sich wirklich konzentrieren. Man hat die Verantwortung für die Fahrgäste und muss einen tonnenschweren Bus durch die viel befahrene Innenstadt manövrieren. Dazu kommt noch die Sichtarbeit, welche vor allem anfangs eine enorm schwere Umstellung und Belastung ist. In den meisten Fällen fehlt auch die Zeit für gesunde und regelmäßige Ernährung und, um auf genügend sportliche Aktivitäten zu achten. Außerdem fehlt nach einem langen Tag voller mentaler Belastung schlicht und einfach die Motivation. Kollegen die nach ihrem Schichtdienst noch fit genug sind um Sport zu machen, sind eine echte Ausnahme.

Frage an den Fahrlehrer: Ist das Verhalten der Fahrgäste in den letzten Jahren schlimmer geworden? Man hört ja immer dass das Verhalten der Jugendlichen und Kinder immer schlimmer wird. 

Ja, das Verhalten wird wirklich immer schlimmer. Es gibt immer weniger Respekt gegenüber des Fahrers. Es sind aber weniger die Kinder, die können ja nichts dafür, daran ist unsere Generation Schuld. Die Kinder werden ja so erzogen. Viel schlimmer ist die ältere Generation im Rentenalter.

Frage an den Leiter der Fahrschule: Ist der immer weniger werdende Respekt Ihnen gegenüber ein Grund für sinkende Bewerberzahlen? 

Bestimmt, aber der Hauptgrund wird wohl der hohe Preis für die benötigten Führerscheine sein. Für die benötigten Scheine bezahlt man zwischen 10.000 und 13.000 Euro. Dennoch muss man sagen, dass der Beruf des Busfahrers immer hochwertiger wird, Busfahrer sind gefragt.

Frage an den Leiter der Fahrschule: Wie sieht es bei Ihnen mit Möglichkeiten zur Weiterbildung aus? 

Weiterbildung ist hier natürlich sehr gut möglich, egal in welche Richtung. Man kann in den verschiedensten Bereichen aufsteigen, zum Beispiel in technischen oder kaufmännischen Berufen, aber auch im normalen Fahrdienst. Wichtig ist nur, wie eigentlich auch überall sonst, dass man nicht nur sagt, sondern auch macht. Man muss besser sein als die anderen und herausstechen. Ich zum Beispiel war bevor ich zur KVG gekommen bin Fahrlehrer bei der Bundeswehr. Als ich hier angefangen habe, war ich vorerst im normalen Fahrdienst aktiv. Weil ich durch die Bundeswehr alle nötigen Voraussetzungen hatte, war ich eine Zeit lang hier in der Fahrschule aktiv. Zwischendurch war ich noch bei der Leitstelle und als Disponent aktiv. Bis ich mich dann schließlich zum Leiter der Fahrschule hochgearbeitet hatte.

Frage an den Fahrlehrer: Ist Fahrlehrer bei der KVG nicht ein ziemlich schwerer Beruf? Sie hatten doch bestimmt keine zweite Bedienung wie es im Auto üblich ist, oder? Es gibt da doch bestimmt Situationen in denen man mal ganz schön Angst hat oder? 

Also eine zweite Bedienung gibt es auch in den Bussen der Fahrschule, die ist auch unbedingt nötig bei so einem schweren Fahrzeug. Nur ist es durch die Entfernung nicht so einfach mal ins Lenkrad zu greifen. Dazu kommt, dass die Fahrpraxis im Pkw bei den oftmals jungen Auszubildenden fehlt und es deshalb natürlich umso schwerer ist ein so massiges Fahrzeug zu beherrschen. Ich würde sagen der Job ist definitiv schwerer als der eines normalen Fahrlehrers, vor allem am Anfang ist die Anspannung sehr viel größer.

Frage an einen Azubi: Wie war es für Sie auf einmal so einen riesigen Linienbus zu fahren? 

Am Anfang war es natürlich eine riesige Umstellung und ein wenig Respekt hatte ich natürlich auch. Aber mit der Zeit wurde das dann besser. Man muss sich seiner Verantwortung einfach bewusst sein, aber Angst sollte man nicht haben.

Frage an den Fahrlehrer: Wie finden Sie das Verhalten der Autofahrer gegenüber des öffentlichen Nahverkehrs? 

Busse gelten in den Augen mancher Autofahrer generell als Verkehrshindernis und diese nutzen dann meistens auch jede Chance es uns so schwer wie möglich zu machen. Oftmals wird einfach viel zu schnell und riskant überholt. Es ist schlimm wie wenig drauf geachtet wird, dass das Fahren eines Busses schon schwer genug ist. Natürlich achten wir auf die Autofahrer und probieren auch möglichst wenig Verkehr aufzuhalten, aber die Autofahrer können auch ein wenig auf uns achten, dann geht es auch sehr viel schneller voran.

Frage an den Leiter der Fahrschule: Wie kommt es eigentlich dass die Linie 37 (Kassel-Lohfelden) nicht mehr von der KVG gefahren wird und dass es nicht mehr, so wie früher, einen Fahrer für eine Linie gibt? 

Die Linie 37 musste wegen einem dieser erwähnten Ausschreiben abgegeben werden. Und dass es nicht mehr einen Fahrer für eine Linie gibt, hat zwei Gründe. Einerseits sind die Busse teilweise 24 Stunden im Netz, wir haben einfach zu wenig Busse und zu wenig Fahrer dafür. Andererseits ist es natürlich auch eine Kostensache, und da wären wir wieder bei dem effizienten Wirtschaften städtischer Betriebe.

Frage an den Leiter der Fahrschule und den Fahrlehrer: Wie sieht es mit den Kontrollen aus? Wie sehr fällt das in die Verantwortung des Fahrers und wie sieht das in Zukunft aus? Ich zum Beispiel wurde nämlich noch nie kontrolliert. 

Der Fahrer soll zwar grundsätzlich die Tickets kontrollieren, jedoch geht der Zeitplan vor Kontrolle und wenn dann mal jemand durchhuscht, der nicht bezahlt hat, ist dafür alleine der Fahrgast verantwortlich und nicht der Busfahrer. In Zukunft könnte es so kommen, dass Kontrollen elektronischer werden. Das heißt, dass man eine Karte haben könnte, die nur aufgeladen wird und zur Kontrolle einfach gescannt werden kann.

Frage an den Leiter der Fahrschule und den Fahrlehrer: Zum Schluss vielleicht nochmal eine umstrittene Frage: Ist der Fahrgast verpflichtet passend zu zahlen? 

Ja, in gewisser Weise ist er das tatsächlich. So ist der Fahrer zum Beispiel nur verpflichtet Scheine bis fünf Euro zu wechseln. Größere Scheine muss er nicht wechseln. Wenn ein Gast nur einen großen Schein hat besteht die Möglichkeit einen Gutschein zu drucken. Dieser Gutschein kann nicht als Bezahlung für die nächste Fahrt genutzt werden. Mit dem Gutschein kann man sich sein Wechselgeld bei der nächste NVV Dienststelle abholen. Des weiteren ist der Fahrer nur verpflichtet ein und zwei Cent Münzen im Wert von maximal zehn Cent anzunehmen. Das heißt, wenn jemand zum Beispiel auf der Königsstraße gesungen hat und dann sein Ticket mit ein und zwei Centstücken bezahlen will, muss der Busfahrer das nicht annehmen.

Anmerkung: 268 Acht-, Neunt- und Zehntklässler haben im Rahmen des Projektes „medien@schule“ Artikel, Fotos und eine Snapchat-Story für HNA.de erstellt. Das Projekt von Hessischer Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) und der HNA findet im Rahmen von „Medien machen Schule“ statt. Es soll zeigen, wie neue Medien und soziale Netzwerke wie Facebook, Youtube, Twitter und Instagram funktionieren. Hier finden Sie weitere Artikel, die während des Projekts entstanden sind.

Pascal Sandmüller, Kim Altmann und Hilal Dagdevir

Rubriklistenbild: © Malmus

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