Lohfeldener fressen Schwäne aus der Hand

Er sorgt für Ordnung am Bürgersee: Rolf Markert hält das Ufer sauber

Engagiert: Seit über 14 Jahren ist Rolf Markert Gewässerbeauftragter des Lohfeldener Bürgersees. Jede Woche befreit er Ufer und See mit einer Grillzange von Müll. Foto: C. Hartung

Lohfelden. Ob Fahrräder im See, demolierte Sitzbänke oder mit Steinen tot geworfene Enten: Rolf Markert kann nichts mehr schocken. Etwa drei Stunden verbringt der 64-jährige Rentner jede Woche damit, den Bürgersee in Lohfelden in Schuss zu halten.

Und das nun bereits seit über 14 Jahren und ohne auch nur einen Cent dafür zu bekommen. Warum er das macht? „Weil ich die Natur über alles liebe."

Der pensionierte Porzellanmaler wurde 2002 von der Gemeinde offiziell zum Gewässerbeauftragten des Bürgersees ernannt. „Damals gab es etwa 50 Bewerber auf die ehrenamtliche Stelle“, erzählt Markert. Er konnte schließlich mit seinem Wissen über Natur, Pflanzen und Tiere, das sich der Angler seit seiner Kindheit angeeignet hatte, überzeugen.

Brotreste sind Gift

Bis heute hält er den See und das Gelände in Schuss. Und dazu gehört nicht nur, den Müll zu entfernen: „Ich muss Besucher immer wieder ermahnen, wenn sie die Enten füttern.“ Denn Brotreste würden nicht nur die Wasserqualität verschlechtern, sondern auch den Tieren schaden. „Das Salz im Schwarzbrot ist Gift für die Tiere.“

Mundzahm: 2004 kümmerte sich Rolf Markert intensiv um zwei Schwäne am Bürgersee. Sie fraßen ihm sogar aus dem Mund.

Außerdem steht der Rentner im ständigen Kontakt mit der Gemeinde. „Beispielsweise melde ich, wenn Sitzbänke zerstört wurden. Dann wird schnell für Ersatz gesorgt.“ Was der 64-Jährige schon alles im Bürgersee gefunden hat, findet er selbst immer wieder unglaublich. In einer Woche habe er sieben Fahrräder, einen Kinderwagen sowie einen Autoreifen aus dem See geholt.

„Es ist wirklich faszinierend, was die Leute dort alles entsorgen.“Allein auf dem Gelände rund um den See, das zwei Hektar umfasst, sammele er jede Woche einen gelben Sack voll Müll ein. Ein Werkzeug hat er stets dabei: eine alte Grillzange. „Die leistet mir nun schon seit 14 Jahren beste Dienste“, lacht der pensonierte Porzellanmaler, der ein ganzes Fotoalbum mit zahlreichen historischen Bildern vom Bürgersee angelegt hat. Anfang dieses Jahres erlitt Rolf Markert einen Schlaganfall - bereits seinen zweiten. Seitdem fällt ihm das Laufen schwer, er leidet unter Lähmungserscheinungen.

Aufgeben will er seinen Job als Gewässerbeauftragter jedoch nicht. „Ich mache das so lange, bis es nicht mehr geht.“

Von Carolin Hartung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.