Tote Fische im Wahlebach: Kasseler Angelverein will Fische ersetzt haben

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Der Wahlebach in Höhe des Forstbachwegs: Wie viele Forellen hier aktuell noch unterwegs sind, ist nach dem massenhaften Tod der Fische Ende Juni schwer zu beantworten. Etwa 2000 setzt der Angelverein Chassalla im Jahr in Ahne, Losse, Nieste und Wahlebach aus, um den Bestand zu erhalten.

Lohfelden/Kassel. Der Kasseler Angelverein Chassalla wirft der Gemeinde Lohfelden falschen Umgang mit den toten Fischen im Lohfeldener Wahlebach vor.

Sie waren vor gut einer Woche in dem Fließgewässer gefunden worden. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die toten Fische unsere Forellen sind“, teilte der Vorsitzende des Vereins, Günter Dannowski, der HNA jetzt mit und fordert vom Verursacher Schadenersatz.

Anlass dafür war die Aussage des Bürgermeisters Uwe Jäger (SPD), es gebe in der Sache keine Geschädigten. Dem widerspricht Dannowski: Die Forellen, die offenbar an Sauerstoffmangel gestorben sind, habe man im Oktober 2016 im Bereich Forstbachweg in den Wahlebach eingesetzt. Das mache der Verein, der neben dem Wahlebach auch die Losse, Nieste und Ahne gepachtet hat, regelmäßig. „Wir fangen raus, müssen aber auch ausgleichen.“ Etwa hundert seien das gewesen – so viele, wie auch bei dem Vorfall getötet wurden.

Dafür, dass es die toten Fische des Vereins sind, sprechen mehrere Dinge. Zum Einen ihre Größe: Die im Oktober ausgesetzten Fische seien 15 bis 20 Zentimeter groß gewesen, die toten Fische waren größer. Und: Da die Forellen hier nicht laichen, müsse es sich bei den Toten um eingesetzte gehandelt haben. „Die Fische bleiben natürlich nicht an einer Stelle, sondern schwimmen flussaufwärts“, so der Vorsitzende.

Günter Dannowski

Wie berichtet, vermutet die Gemeinde als Ursache für den Sauerstoffmangel das Überlaufen eines Abwasserkanals. In diesem habe sich ein Rohr befunden, das vermutlich aus Arbeiten am Kanal stammt. Aufgrunddessen habe sich das Wasser angestaut, sei übergelaufen und in den Wahlebach geflossen. Damit habe sich der Sauerstoffgehalt des Wassers verringert, die Fische starben. Andreas Siebert, Vorsteher des Abwasserverbands Losse Nieste Söhre, vermutet, bei dem Rohr handele es sich um eines aus der Kanalsanierung, die im April 2017 abgeschlossen wurde. Dies werde noch geprüft. „Sollten wir verantwortlich sein, werden wir dem Verein die Fische ersetzen.“

Das Problem: Der Todesursache der Tiere konnte nicht auf den Grund gegangen werden, weil sie nicht sofort nach dem Auffinden eingefroren und zur Untersuchung an das Hessische Landeslabor geschickt wurden. Das habe man versäumt, so Jäger. Dannowski kann das nicht fassen und beschwert sich zudem über die Informationsabläufe. „Mein Name ist allen Behörden bekannt und trotzdem kam die Information, dass die Fische tot sind, erst Tage später bei mir an.“ Wäre es früher gemeldet worden, hätte man die Untersuchung veranlassen können – und eine Ursache für den Tod der Fische gehabt. „Als unser Wasserwart am Dienstag zum Wahlebach kam, war natürlich kein toter Fisch mehr zu sehen.“ Auch die Untere Wasserbehörde des Landkreises war vor Ort, bestätigt Sprecher Harald Kühlborn. Warum diese die Gemeinde nicht aufgefordert hat, die Fische einzufrieren und ins Labor zu schicken, konnte er gestern nicht beantworten. 

Das sagt die Gemeinde Lohfelden:

„Bislang hat sich niemand bei uns gemeldet, der Schadensersatz an die Gemeinde stellt“, teilt der erste Beigeordnete Norbert Thiele auf HNA-Anfrage mit. Mit dem Pächter des Wahlebach-Bereichs oberhalb der Autobahn 7 befinde man sich im Gespräch. Dass die Fische nach dem Fund nicht eingefroren und zur Untersuchung an das Landeslabor geschickt wurden, begründet Thiele mit Unwissenheit: „Wir wussten nicht, dass man die Fische einschicken muss.“ Etwa 100 Forellen, Krebse und einige Aale seien eingesammelt und ordnungsgemäß entsorgt worden. Derzeit püfe man, wer der Verursacher des Schadens war. Da man an dem Fundtag selbst Mitarbeiter eingesetzt hatte, könne man dem Verursacher gegenüber ebenfalls Schadenersatzansprüche geltend machen, so Thiele.

So werden tote Fische untersucht:

Werden in einem Gewässer tote Fische gefunden, liegt es laut Kreissprecherin Ute Jäger in der Hand der Gemeinde, der Ursache für das Fischsterben auf den Grund zu gehen. Dafür müssen die Tiere direkt nach dem Fund eingefroren und an das hessische Landeslabor in Wiesbaden geschickt werden, die die Todesursache erforscht. 

Das schnelle Einfrieren verhindere das Voranschreiten von Fäulnis und Autolyse, das ist die Zersetzung der Zellen durch Enzyme, erklärt Dr. Agnes Flamm vom Fischseuchenbekämpfungsdienst des Landeslabors. Auch Tage nach ihrem Tod könne man die Fische noch untersuchen. Allerdings sei dann oftmals nur noch eine virologische Untersuchung und eine Rückstandsanalyse möglich. Ob und wie viel die Untersuchung eines Fisches hergibt, hänge immer von der Größe des Tieres und äußeren Einflüssen wie der Wassertemperatur ab.

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