714 Menschen kamen zur Aktion

Typisierungsaktion für Katharina: Hunderte ließen sich in Lohfelden testen 

+
Gemeinsam gegen Blutkrebs: Sebastian Menge (von links), Tim Kranz, Katharina Kranz und Stefanie Bräutigam halfen am Samstag bei der Typisierungsaktion für Katharina im Bürgerhaus Lohfelden mit.

Lohfelden. Die Hilfsbereitschaft war riesig. Hunderte Menschen kamen am Samstag ins Bürgerhaus nach Lohfelden, um sich typisieren zu lassen.

Helfen wollen sie damit der kleinen Katharina aus Bad Emstal. Das neun Monate alte Mädchen ist am Myelodysplastischen Syndrom (MDS) – einer Form von Blutkrebs – erkrankt und benötigt dringend eine Stammzellenspende.

Die weltweite Suche nach einem „genetischen Zwilling“ verlief bisher erfolglos. Die Idee zur Typisierungsaktion kam von Katharina Kranz. „Die kleine Katharina ist die Tochter meiner Cousine“, erklärte die Initiatorin. Sie ist froh darum, dass die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die Freiwilligen Feuerwehr Lohfelden und die Gemeinde Lohfelden die Aktion unterstützen. Sie sieht sie als einzige Möglichkeit, dem erkrankten Mädchen zu helfen.

100 Ehrenamtliche, darunter viele Bekannte und Freunde der Familie, waren vor Ort, um als Helfer aktiv bei der Typisierungsaktion mitzuwirken. Es sei unglaublich, mit wie viel Elan die Helfer dabei seien, freute sich Stefanie Bräutigam (DKMS). „Ich bin unglaublich dankbar, dass all die Initiativgruppen hier in Lohfelden die Aktion überhaupt erst ermöglicht haben“.

Datenerfassung, Abgabe von Zellmaterial aus der Wange, Frage- und Einverständnisbogen sowie Endkontrolle – die potenziellen Spender zwischen 17 und 55 Jahren mussten drei Stationen durchlaufen. Auch Maximilian Kresczmanski (21) aus Kassel hat sich bei Jennifer Ide testen lassen. „Die Typisierung ist eine gute Gelegenheit, Menschen helfen zu können“, sagte der junge Mann. Hier würde deutlich, dass es keine große Sache sei, Leben zu retten.

Sebastian Menge aus Baunatal ist seit 2007 bei der DKMS registriert und hat mit seiner Stammzellenspende im Oktober 2013 schon jemandem das Leben gerettet. „Es ist ein sehr schönes Gefühl, jemandem geholfen zu haben“, erklärte der 30-Jährige, der den Empfänger seiner Spende auch schon zweimal persönlich getroffen hat.

Potentieller Stammzellenspender: Maximilian Kreczmanski aus Kassel ließ seine Daten von Jennifer Ide erfassen.

Tim Kranz (31, Berlin) ist seit 2015 registriert und hat am Samstag, während er als Helfer in Lohfelden war, einen Anruf von der DKMS bekommen, dass er möglicherweise als Spender in Frage kommt. „Das ist ganz schön aufregend“, sagte er.

Am Ende waren 714 Menschen zur Typisierung ins Bürgerhaus gekommnen. „Das ist unglaublich, wir sind alle glücklich“, sagte Stefanie Bräutigam. Das seien 714 neue Chancen auf Leben, betonte sie. Weiterhin ist an diesem Tag eine Geldspende von 7000 Euro für die DKMS zusammengekommen.

So läuft die Typisierung 

• Jeder potenzielle Spender erhält ein Infoblatt und einen Fragebogen. 

• Wer geeignet ist (Ausschlusskriterien sind z.B. chronische Krankheiten), dem werden 10 Milliliter Blut entnommen. Diese Proben werden in ein Labor gegeben. 

• Falls ein passender Spender darunter sein sollte, wird die Knochenmarkspenderdatei informiert. Bis zu einer tatsächlichen Spende dauert es dann noch einige Wochen. 

• Die Stammzellen des Spenders werden seinem Blut und nicht mehr wie früher dem Knochenmark entnommen, ein operativer Eingriff ist also nicht notwendig. Die Produktion von Stammzellen wurde zuvor durch ein Medikament angeregt. Das geschieht in der Regel ambulant. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.