Beim Jugendrotkreuz in Lohfelden lernt der Nachwuchs, wie er im Notfall einen Menschen retten können

Video: Erste Hilfe können auch Kinder leisten - so geht's

Schon seit zwei Jahren dabei: Alexandra Donjanic, 9 Jahre, übt während der Gruppenstunde des Jugendrotkreuz Lohfelden Herz-Lungen-Wiederbelebung an einer Puppe. Foto: El Ahl

Lohfelden. Jeder kann helfen, wenn ein Mensch zusammenbricht und medizinische Hilfe benötigt. Auch Kinder. „Die sind oft ungehemmter“, sagt Thorsten Heilemann, Bereitschaftsleiter des DRK-Ortsvereins Lohfelden.

Ende Mai war in Lohfelden ein Mann auf dem Bürgersteig des Friedrich-Ebert-Rings zusammengebrochen und starb – wahrscheinlich weil niemand Erste Hilfe leistete (HNA berichtete). Erst eine Gruppe Kinder hatte Hilfe gerufen. Wenn Anwohner und Passanten schneller eingegriffen hätten, könnte der Mann vielleicht noch leben. Denn im Notfall zählt jede Minute.

Jede Woche wird geübt

Deshalb wird beim Jugendrotkreuz Lohfelden jede Woche geübt, was in einem Notfall zu tun ist. Die Liste der Themen ist umfangreich:

• Wie setze ich einen Notruf ab?

• Wie werden kleine Wunden verbunden?

• Was mache ich bei Hitze- und Kälteschäden?

• Wie reagieren bei Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, starken Blutungen oder Verletzungen des Bewegungsapparat?

• Und was mache ich, wenn ich eine bewusstlose Person finde?

An diesem heißen Montagabend in den Räumen des DRK Lohfelden wird genau diese Situation trainiert. Alexandra Donjanic hat ihre Hände übereinandergelegt und drückt auf den Brustkorb des leblosen Körpers. Die Neunjährige presst, 30 Mal, mit aller Kraft. Dann übernimmt Claudia Heilemann, Leiterin des Jugendrotkreuz, und beatmet die leblose Person zwei Mal. „Wieso eigentlich 30 Mal?“, fragt Alexandra, als sie wieder mit der Herz-Lungen-Massage beginnt. Die Zahl wird von Ärzten empfohlen, erklärt Claudia Heilemann den Kindern, die um die leblose Person im Kreis sitzen.

Die leblose Person heißt Anna und ist eine Puppe, an der die Kinder der Jugendrotkreuzgruppe des DRK-Ortsvereins Lohfelden heute Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) üben. „In einem Notfall wissen die Kinder ganz genau, was zu machen ist“, sagt Claudia Heilemann. Verbände anlegen, aufgeregte Passanten beruhigen, stabile Seitenlage – alles kein Problem für die Kinder. „Das kann schon unsere Fünfjährige“, sagt Heilemann.

Jeden Montag von 17.30 Uhr bis 19 Uhr trifft sich die Gruppe des Jugendrotkreuz in Lohfelden. Zurzeit sind 14 Kinder in der Gruppe im Alter von fünf bis zehn Jahren. An diesem Abend wird neben der Herz-Lungen-Wiederbelebung auch noch einmal die stabile Seitenlage trainiert. „Worauf müssen wir achten, wenn wir eine bewusstlose Person finden?“, fragt Claudia Heilemann in die Gruppe. Die neunjährige Jennifer Emily Käse hebt die Hand. „Erstmal gucken, ob der Mensch noch atmet.“ Richtig. „Wenn er noch atmet, dann mache ich die stabile Seitenlage.“ Wenn nicht, dann muss der Brustkorb massiert und die Person beatmet werden. „Im Blut ist Sauerstoff, der versorgt den Körper. Deshalb ist es wichtig, dass wir drücken“, erklärt Claudia Heilemann.

Alexandra und Jennifer Emily sind beide schon seit zwei Jahren in der Gruppe. „Weil ich Menschen gerne helfen will, wenn ihnen was passiert“, sagt Jennifer Emily. Sie hat ihr Wissen auch schon in der Praxis anwenden können. Als ihre Mutter mal gestochen wurde und ihr Bein stark anschwoll, cremte ihr die Tochter den Stich ein und legte einen Verband an. „Das habe ich alles hier gelernt.“

Jedes Kind im Alter von sechs bis 16 Jahren kann beim Jugendrotkreuz mitmachen. Informationen: JRK-Lohfelden, www.jrk-lohfelden.info

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