Wenn Eisschollen zu Geschossen werden: So werden Lkw gesichert

Lohfelden. Eine Eisscholle löst sich von der Plane des fahrenden Lastwagens und fliegt auf die Gegenfahrbahn, wo sie einem Personenwagen den linken Außenspiegel abschlägt.

Herunterfallendes Eis verursachte in der vergangenen Woche wieder Unfälle auf nordhessischen Straßen, sagt der Chef der Autobahnpolizeistation Baunatal, Helmut Stieglitz. Gesetzlich seien die Lkw-Fahrer dazu verpflichtet, vor Fahrtantritt das Dach ihres Lasters zu räumen.

Das ist allerdings keine einfache Angelegenheit, bei einem vier Meter hohen Gefährt. „Früher mussten wir erfinderisch werden, um den Schnee vom Dach zu bekommen“, erzählt Stefan Philippi von der Kasseler Spedition Jung, während er mit einem Besen bewaffnet auf das „Eisfrei-Gerüst“ am Rasthof Lohfeldener Rüssel klettert.

Trockenübung am Lohfeldener Rüssel: Stefan Philippi macht vor, wie die Fahrer vom „Eisfrei-Gerüst“ aus ihren Lkw von Schnee und Eis befreien. Fotos: Hühne

Mit Kollegen habe man sich vor dem Fahrtantritt verabredet. Dann habe sich einer von ihnen auf Paletten gestellt, die mit einem Gabelstapler in die Höhe gehievt wurden. „Das ist auch für uns Fahrer gefährlich“, sagt der fröhliche Mann mit der grünen Warnjacke. Das „Eisfrei-Gerüst“ steht seit 2010 in Lohfelden. Es erinnert an ein Fassaden-Baugerüst. Von der obersten Plattform können die Fahrer das Lkw-Dach erreichen. Wenn sich Schnee und Regen bei Frost zu Eisplatten verbinden und auf der Dachplane festsetzen, helfe allerdings auch das Gerüst nicht mehr, betont Stieglitz. Dann können die Fahrer kaum etwas unternehmen.

Es gibt aber auch Alternativlösungen. Bei der sogenannten „Airsky-Technik“ zum Beispiel wird ein dicker Luftschlauch mittig unter die Dachplane eingebaut. Der Schlauch kann über die Bremsanlage aufgepumpt werden. So entsteht ein Zeltdach. Der Luftschlauch könne am Vorabend aufgepumpt werden, sodass Nässe abläuft und sich nicht mehr auf dem Dach sammelt, erklärt Erfinder Helmut Lechner.

Vorhandenes Eis wird durch die Ausdehnung des Daches aufgebrochen. „Bei uns haben alle Fahrzeuge den Schlauch, und das ist eine tolle Sache, denn wir können beruhigt losfahren und gefährden niemanden“, sagt Philippi. Aber nicht alle Speditionen würden Geld für diese Vorrichtung ausgeben.

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