Kurse für Kindernotfälle

Wenn Kindern die Luft wegbleibt: Experte gibt Tipps fürs Erste Hilfe

Lohfelden/Kassel. Sascha Mardorf vom ASB Nordhessen bietet Erste-Hilfe-Kurse für Kindernotfälle an. Der nächste Kurstermin ist am 28. Januar in Lohfelden.

Es ist ein dramatisches Szenario: Ein Kleinkind sitzt in zentimeterhohem Wasser in der Badewanne. Noch hat ein Elternteil das Kind im Blick. Doch plötzlich fällt auf, dass ein Handtuch fehlt. Der Erwachsene läuft schnell ins Schlafzimmer – als er zurückkommt liegt das Kind leblos mit dem Gesicht im Wasser. Es ist vornübergekippt, konnte sich nicht abstützen und ist erstickt.

Puppe zum Vorführen: Sascha Mardorf, Leiter der Erste-Hilfe-Kurse beim ASB, zeigt, wie man ein Kleinkind wiederbelebt. 

Solche Szenarien spielt Sascha Mardorf vom ASB im Kurs „Erste Hilfe bei Kindernotfällen“ beispielhaft durch. Zwei kurze Atemstöße pustet er in die Lunge der Säuglingspuppe, die vor ihm auf dem Tisch gebettet ist. Dann drückt er mit zwei Fingern auf ihren Brustkorb. „Ersticken ist die häufigste Ursache des Kindstods“, sagt der 49-Jährige.

Beatmung und Notruf

Ganz wichtig sei laut Mardorf, dass die Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Kindern grundlegend anders ist als bei Erwachsenen. Der erste Schritt ist nicht der Notruf, sondern immer die Beatmung – zwei vorsichtige Atemstöße reichen aus, um die kleinen Lungen mit genügend Luft zu füllen. Dann müsse 15 Mal auf den Brustkorb gedrückt werden.

„Wenn das Kind nach circa einer Minute keine Lebenszeichen wie Bewegungen, Husten oder Atmung zeigt, sollte der Notruf abgesetzt werden“, erklärt Mardorf. Und auch sonst gibt es bei Kindern Notlagen, die bei Erwachsenen so nicht vorkommen: „Säuglinge und Kleinkinder sind durch ihren Körperbau anfälliger für spezielle Notfälle“, sagt Mardorf. Als Beispiel nennt er den Pseydo-Krupp-Anfall, eine Art Atemnot, die durch die Verengung der Atemwege hervorgerufen wird (siehe weiterer Artikel rechts) – oder auch die spezielle Lagerung von Säuglingen. Aber eine Regel gelte laut Mardorf immer, unabhängig vom Notfall: „Man kann als Helfer in solchen Situationen nichts falsch machen – nur nichts zu tun, wäre fatal“, betont der 49-Jährige.

In den Kursen solle es auch darum gehen, wie die Teilnehmer trotz des Notfalls ruhig und besonnen bleiben können. „Das kann man natürlich schwer üben“, räumt Mardorf ein. Jede Situation und jeder Typ Mensch seien anders. Aber es helfe, tief durchzuatmen, zwei bis drei Sekunden inne zu halten und sich zu sammeln.

Plätze für Kurs in Lohfelden

„Erste Hilfe bei Kindernotfällen“ richtet sich speziell an Eltern, Großeltern, Erzieher, Betreuer in Vereinen, Babysitter und Lehrer. Der nächste Kurs findet am Sonntag, 28. Januar von 9 bis 17 Uhr in der Kindertagesstätte, Lange Straße 37 in Lohfelden, statt. Die Teilnahme kostet 25 Euro. Anmeldungen sind telefonisch möglich unter 05 61/72 80 00 oder per E-Mail an 
erste-hilfe@asb-nordhessen.de

Weitere Informationen unter: www.asb-nordhessen.de

Drei Tipps: Was tun bei Atemnot? 

Bei einem Pseudo-Krupp-Anfall verengen sich die Atemwege unterhalb des Kehlkopfes, allerdings nur bei Kindern bis sieben Jahren. Den Anfall erkennen Eltern daran, dass das Kind schlecht Luft bekommt und stark hustet – der Husten klinge wie ein Bellen, sagt Mardorf. Solche Anfälle werden durch Viren hervorgerufen, die vor allem in Gebieten mit hoher Luftverschmutzung vorkommen. Wie reagiert man in einem solchen Fall? 

  1. Wenn das Kind plötzlich einen bellenden Husten bekommt, hilft meist kalte Luft. Dementsprechend können Eltern einfach das Zimmerfenster aufmachen und das Kind für einen Moment nah dransetzen.
  2. Ebenso lindernd wirkt es, wenn das Kind schnell unter eine warme bis heiße Dusche gestellt wird. Der Wasserdampf weitet die Atemwege. 
  3. Hat sich das Kind beruhigt, ist es in jedem Fall gut, den Krankenwagen zu rufen – vor allem dann, wenn der vermutete Pseudo-Krupp-Anfall erstmalig auftritt. Neigt das Kind häufiger zur Atemnot, kann im Kinderzimmer mit Wasserschalen, nassen Handtüchern und einer Temperatur zwischen 16 und 18 Grad vorgebeugt werden.

Wie auch Kinder anderen Kindern und Erwachsenen Erst Hilfe leisten können, zeigt unser Video:

Rubriklistenbild: © Gorny

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