Kurzinterview: Polizeihauptkommissar Küllmer zum Thema Vandalismus

Revierleiter Wilhelm Küllmer zum Vandalismus in Lohfelden

Lohfelden. Die Gemeinde Lohfelden wird von einer Vandalismus-Welle überschwemmt. Lohfelden erhob in diesem Zusammenhang Vorwürfe gegen die Polizei: Sie packe die Jugendlichen zuweilen mit Samthandschuhen an.

HNA-Redakteur Holger Schindler sprach über diesen Vorwurf mit dem Ersten Polizeihauptkommissar Wilhelm Küllmer, Leiter des Reviers Kassel-Ost.

Ist die Polizei zu nachsichtig mit jugendlichen Tätern?

Wilhelm Küllmer: Die Polizei hat den gesetzlichen Auftrag, Straftaten zu erforschen und die Täter zu ermitteln. Hier besteht kein Ermessensspielraum. Über die erforderlichen Sanktionen entscheiden Staatsanwaltschaft und Gerichte.

Im konkreten Fall sollen Streifenbeamte Jugendliche, die sie dabei ertappten, dass sie einen Fahrplanhalter zerstörten, nur ermahnt haben, ohne Anzeige zu erstatten ...

Küllmer: Das ist schon aufgrund unseres gesetzlichen Auftrags nicht vorstellbar. Auf so ein schmales Brett würde sich kein Polizist begeben. Wenn die Polizei jemanden bei einer Straftat erwischt, so wird gegen den Verantwortlichen – egal welchen Alters, auch gegen strafunmündige Kinder unter 14 Jahren – eine Strafanzeige vorgelegt. Im Übrigen möchte ich betonen, dass uns seit Mai fünf Sachbeschädigungen an Haltestellen in Lohfelden vorliegen. Im HNA-Artikel war die Sprache von 15 Sachbeschädigungen, dann müssten uns zehn Taten nicht angezeigt worden sein.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Vandalismus wirksam zu bekämpfen?

Küllmer: In jedem Revier gibt es Jugendsachbearbeiter, die sich speziell mit den jugendlichen Tätern auseinandersetzen. Die Polizei setzt zum einen auf Aufklärung. Den Jugendlichen muss klar sein, dass Sachbeschädigung keinen üblen Scherz, sondern eine Straftat darstellt. Für den entstandenen Schaden müssen die Täter oder ihre Eltern oft tief in die Tasche greifen. Die Tat kann sich auf die Berufswahl negativ auswirken. Häufig werden polizeiliche Führungszeugnisse eingefordert, darin würde sich ein Eintrag nicht gut machen.

Was tun Sie darüber hinaus?

Küllmer: Jugendliche werden häufig von uns kontrolliert, wir halten ihre Personalien fest. Damit machen wir die Jugendlichen identifizierbar, das beugt der Begehung von Straftaten vor. Wichtig ist auch, dass die Polizei bei verdächtigen Wahrnehmungen von Zeugen umgehend informiert wird. Denn nur wenn wir davon erfahren, können wir effektiv vorgehen und Täter auf frischer Tat festnehmen.

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