Deutsch-italienische Freundschaft in der fünften Generation

Deutsch-italienische Großfamilie: Die Zwillinge Sara (vorn links) und Elena Silvestrini (Dritte von links) und Victoria (Zweite von links) und Katharina Böhle (rechts) sind unzertrennlich. Auch Sebastian Dolle (Vierter von links) spielt manchmal mit. Fotos:  Dilling

Baunatal. Eine deutsch-italienische Freundschaft kann bisweilen zupackend sein. Als am Samstagnachmittag ein Unwetter über Altenritte hinwegfegt, hängen sich die starken Männer aus Brugnera und aus Altenritte gemeinsam an das Gestänge des Festzelts im Garten der Familie Sittig, damit es nicht wegweht.

So gut haben schon die beiden Männer zusammengearbeitet, die vor 73 Jahren den Grundstein zu einer wohl einzigartigen Familienfreundschaft gelegt haben. Erminio Silvestrini aus dem italienischen Friaul und Justus Seipel aus Altenritte schufteten 1938 gemeinsam in einem Steinbruch in Großenritte und lernten sich schätzen.

Die beiden sind längst gestorben. Doch die Freundschaft ihrer Familien hat überlebt und sich wie ein wachsender Baum verzweigt. Die inzwischen über 30 Freunde besuchen sich oft mehrmals im Jahr.

Deutsche Gemütlichkeit

Seit einer Woche sind die Italiener in Altenritte zu Gast und genießen die deutsche Gemütlichkeit. Edeltraud Böhle und Gastgeberin Margitta Sittig stehen an den dampfenden Töpfen mit Sulperknochen und Sauerkraut. Weißwurst gibt es, Bier, und die italienischen Freunde haben natürlich ihren Rotwein mitgebracht. Mit ihren deutschen Freunden haben sie am Samstag das Grenzmuseum in Bad Soden-Allendorf und den Hanstein besichtigt.

Für Lorenzo Fanari war das ganz schön anstrengend. Er ist in den Armen seiner Oma Lili Silvestrini eingeschlafen. Der 18 Monate alte Junge bildet zusammen mit den doppelten Zwillingen Sara und Elena Silvestrini (9) auf italienischer Seite und Victoria und Katharina Böhle (8) auf deutscher Seite die fünfte Generation der Freundschaftsbeziehung.

Die Kinder verständigen sich zur Not mit Händen und Füßen. Für die Erwachsenen ist die Sprache gar kein Problem mehr. „Am Anfang war es schwer. Da haben wir viel gestikuliert. Heute können wir über alles sprechen“, sagt Betty Silvestrini, die Mutter der Zwillinge Sara und Elena. Doch schon vor Jahren hat die heute 43-Jährige in Kassel gut Deutsch gelernt, als sie bei Familie Sittig über die Ferien zu Besuch war. Großmutter Lili (68) ist stolz darauf, sich die Sprache selbst beigebracht zu haben.

„Die Beziehung ist über die Jahre viel intensiver geworden“, sagt Edeltraud Böhle. „Die Italiener haben sich an Deutsch gewöhnt. Wir Deutschen sind umgekehrt etwas träger“, findet Marco Böhle (41), der Vater der Zwillinge Victoria und Katharina. Die Böhles fahren jedes Jahr nach Brugnera, um die Silvestrinis zu besuchen, manchmal auch öfter. Sie wohnen dann in deren Haus. „Hotels sind bei allen Treffen tabu“, sagt Marcos Ehefrau Annette. Ein Fahrt auf den Kanälen der nahen Stadt Venedig ist dagegen Pflicht. Auch gemeinsame Urlaubsfahrten haben die Familien schon unternommen.

HINTERGRUND

Von Peter Dilling

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