Luchs hat Wildschafe gerissen

Majestätischer Anblick: Ein Luchs durchstreift seit einiger Zeit die Söhre. Dort hat ihn vergangene Woche HNA-Leser Fritz Werner fotografiert. Archivfoto: Werner/nh

Söhrewald. Der Luchs hat in der Söhre fünf Muffelschafe und zwei Damwild-Kälber gerissen. Der Halter der Tiere, die in einem Waldstück zwischen Wattenbach und Eiterhagen in einem Wildgatter untergebracht waren, wird entschädigt. Das hat das Regierungspräsidium (RP) Kassel jetzt bestätigt.

Die Großkatze mit den Pinselohren war zuletzt vergangene Woche von einem Rentnerpaar aus Söhrewald bei einem Spaziergang im tiefen Schnee beobachtet und auch fotografiert worden. Bereits in den Tagen davor hatte das Raubtier auf der Suche nach Nahrung den hohen Gatterzaun überwunden und die dort gehaltenen Wildtiere angegriffen. In einem Zeitraum von mehreren Wochen hat es die Tiere gerissen.

Dabei kam dem Luchs eine natürliche Verhaltensweise des Muffelwilds zugute. Das bleibt nämlich bei Gefahr stehen, erläutert der Luchs-Beauftragte für den Landkreis Kassel, Christian-Peter Foet. „Der Luchs hat es sehr einfach, Muffel-Wild zu reißen“, sagt der Forstmann.

Der Luchs läuft mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h an und reißt sein Opfer zu Boden. Im nächsten Moment beißt er ihm in die Gurgel und hält seine Kiefer so lange fest geschlossen, bis das Tier erstickt ist.

Die Raubkatze macht sich zunächst über Keule, Vorderläufe und dann das gesamte Fleisch einschließlich Rippen her. Knochen, Eingeweide und Fell lässt sie dagegen liegen.

An den Zahnspuren am Hals der gerissenen Tiere könne man den Luchs gut erkennen, sagt Foet. Die fünf Muffelschafe seien zweifelsfrei Opfer des Luchses geworden. Bei den Damwild-Kälbern seien die Spuren nicht so eindeutig.

„Der Tierhalter wird von uns mit einer Pauschale entschädigt“, sagte RP-Sprecher Michael Conrad. Die genaue Höhe stehe noch nicht fest, man werde sich aber gütlich einigen. Nach Informationen der HNA liegt der Wert der einzelnen Tiere zwischen 100 und 150 Euro.

Außerdem wolle man den Tierhalter beraten, wie er künftige Angriffe verhindern kann. Dazu habe man bereits Kontakt mit Behörden im Harz aufgenommen, von wo die Luchse ursprünglich ausgewildert wurden. Möglicherweise müsse man die Gatter verändern. Auch dies werde das RP finanziell unterstützen.

Luchse haben eine enorme Sprungkraft, laut Foet können sie leicht zwei Meter hoch springen und so Holzgatter locker überwinden.

Der Luchs steht unter Artenschutz und darf nicht bejagt werden. Er soll in der Söhre wie in anderen hessischen Waldgebieten heimisch werden. Bisher gibt es nur vereinzelte Exemplare der Wildkatze in unserer Region. Eine aktive Ansiedlung ist laut RP nicht geplant.

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