Waldbesucher sollen Sichtungen melden

Den Luchsen auf der Spur - Forstamt will Zahl der Tiere ermitteln

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Schön, stark, scheu: Seit acht Jahren gibt es wieder Luchse in unserer Region. Wer auf die scheuen Tiere im Wald trifft, sollte dies dem Forstamt melden. Unser Bild wurde vor einem Jahr von Walter Liese aus Helsa-St. Ottilien aufgenommen. Seine Tochter Maleen war beim Spaziergang mit dem Familienhund Hugo in der Söhre auf diesen Luchs gestoßen; sie verständigte ihren Vater, dem dann atemberaubende Fotos gelangen.

Kreis Kassel. Sie leben vereinzelt in der Söhre und im Kaufunger Wald, doch wie viele Luchse es sind, weiß niemand. Nun fordert der Beauftragte für die Tiere, Christian Peter Foet, die Menschen in der Region auf, jede Begegnung mit dem Luchs zu melden.

Als Leiter des Melsunger Forstamtes liegen Christian Peter Foet jede Menge Tabellen, Listen und Erhebungen vor. Doch ausgerechnet jene Zahl, die ihn am meisten interessiert, wird er wohl nie kennen: nämlich die exakte Anzahl der Luchse, die in seinem Revier von der Söhre bis zum Riedforst leben. Foet, der zugleich Luchsbeauftragter unserer Region ist, ruft die Menschen dazu auf, jede Begegnung mit einem Luchs dem Forstamt zu melden.

Diesen Aufruf unterstützt auch das Forstamt Hessisch Lichtenau, das für den Kaufunger Wald zuständig ist. Vor acht Jahren wurden hier erstmals Luchse gesichtet. Ralf Meusel, Luchsbeauftragter beim Lichtenauer Forstamt, geht davon aus, dass hier zurzeit sechs Luchse leben, „eine Anzahl, die sich natürlich ändern kann“, wie er betont.

Dabei handele es sich um eine Katze und drei Jungtiere, die mehrfach im Kaufunger Wald gesichtet wurden, und zwei Tiere, die ihre Reviere südlich von Hessisch Lichtenau hätten, sagt Meusel. Durch Fotofallen und Fotos von Privatleuten habe man gesicherte Hinweise auf diese Tiere.

In den vergangenen Jahren trafen Spaziergänger und Wanderer im Kaufunger Wald und in der Söhre immer wieder auf Luchse. Teilweise gelangen ihnen eindrucksvolle Fotos, auch Videos konnten sie mit dem Handy machen.

Dass die Luchspopulation größer wird, daran zweifeln beide Forstbeamte nicht. Denn Nordhessen, sagt Christian Peter Foet, sei ein wahres El Dorado für den Luchs: Er finde dort große Rückzugsräume und ein üppiges Nahrungsangebot vor.

Luchse sind Einzeljäger, außerhalb der Paarungszeit gehen sie sich aus dem Weg. Wenn die Jungtiere groß sind, suchen sie sich ein eigenes Gebiet, das etwa 300 Quadratkilometer groß ist.

Eigentlich galten Luchse in Nordhessen seit 1830 als ausgestorben. Sowohl Jäger als auch Forstleute seien froh, dass der Luchs genau wie Schwarzstorch, Uhu, Kolkrabe, Biber und Wanderfalke wieder in Nordhessen zu finden sei, sagt Christian Peter Foet. Konkurrenz für Jäger sei er nicht. „Die meisten sind richtig stolz darauf, dass sich das Tier wieder angesiedelt hat.“

2004 haben sich Naturschützer, Forstleute und Jäger im Arbeitskreis Hessenluchs zusammengeschlossen, um Informationen über den Luchs zusammenzutragen. Im Internet präsentiert der Arbeitskreis auch Fotos der bisher gesichteten Luchse.

Hintergrund: Das richtige Verhalten bei Luchsen

Wer im Wald auf einen Luchs trifft, sollte die Nerven behalten und einfach ruhig stehen bleiben. Keinesfalls sollte man auf das Tier zugehen oder ihm gar hinterher laufen. Wem trotz des Überraschungsmoments ein Foto mit dem Handy gelingt, der sollte es ans Forstamt mailen (FAMelsungen@forst.hessen.de). Die Forstleute sind aber auch an allen Begegnungen mit einem Luchs interessiert, bei denen kein Foto entstand.

Kontakt: Forstamt Hessisch Lichtenau, Tel. 0 56 02/9 35 60, Forstamt Melsungen, Tel. 0 56 61/7 37 80

Infos: www.luchs-in-hessen.de

Von Claudia Brandau, Julia Schwekendiek und Holger Schindler

Archivfotos: Luchse bei Söhrewald-Wellerode gesichtet

Luchse bei Söhrewald-Wellerode gesichtet

Leservideo von einer Luchsbegegnung

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