Furchteinflößendem Heulton und Zischen folgte gewaltige Detonation bei Altenbauna

Luftmine fiel vom Himmel

Altenbauna früher: Auf dem Foto von 1938 hat Adam Ritze markiert, wo im Krieg eine Luftmine detonierte. Heute befindet sich dort das Kleingartengelände Wiesental. Ein Stück darüber erkennt man die Kirche. Fotos: Stadtarchiv Baunatal/nh, Montage: HNA

Baunatal. Es war ein Abend wie viele andere auch. Die ganze Familie war in der Wohnküche versammelt, und wir warteten auf die Entwarnung, um schlafen zu gehen. Die letzten Luftlage-Meldungen im Radio klangen auch beruhigend. Es waren lediglich einige Bomberverbände im Rückflug.

Plötzlich – ein anschwellendes Pfeifen. Großvater befahl, uns hinzulegen. Man hatte das Gefühl, dass der lauter werdende Ton einige Minuten lang gedauert hat. Als es schier unerträglich wurde und zu dem Heulton auch noch ein lautes Zischen zu hören war, gab es schließlich eine gewaltige Detonation. Das ganze Haus hat gewackelt, und unser gläserner Anbau stürzte klirrend in sich zusammen.

Was war geschehen? Am Südostrand von Altenbauna war eine Luftmine niedergegangen. Dort, wo sich heute die Kleingarten-Anlage befindet. Die Druckwelle war so gewaltig, dass viele Dächer beschädigt wurden. Aber vor allem wurden viele Fenster, im sogenannten Unterdorf, eingedrückt. Auch unsere Kirche hatte es getroffen. Die schönen, bunten, bleiverglasten Fenster waren zerstört.

In der Folgezeit hat mein Großvater mithilfe der Schreinerei Wicke neue Fensterrahmen aus Holz angefertigt, in einer Gemeinschaftsaktion wurden sie eingesetzt und mit normalen Fensterscheiben versehen. Dass mein Großvater sich für den Schaden an der Kirche verantwortlich fühlte, lag daran, dass er zu der Zeit Kastenmeister war – und Schreiner war er auch.

Über den Abwurf dieser einzelnen Luftmine wurde viel spekuliert, aber man hat den wahren Grund nie herausgefunden.

http://regiowiki.hna.de/ Adam_Ritze

Von Adam Ritze

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