Rätselraten um nächtliche Tiefflüge  über Nordhessen

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Flugzeug und Kirchturm: Für viele bedeuten tieffliegende Maschinen ein Ärgernis, für manchen ist es ein besonderes Schauspiel. Unser Archivbild zeigt einen Airbus A 380 im Tiefflug bei Geisenbrunn (Landkreis Starnberg). Die Maschine ist im Anflug auf den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen.

Baunatal. Passagiermaschinen, die in geringer Höhe über Nordhessen geflogen sein sollen, haben einen Hertingshäuser auf den Plan gerufen. Er vermutet, dass derzeit getestet wird, ob sich Bewohner im Raum Kassel über diese Flüge beschweren. Alles quatsch, sagt die Deutsche Flugsicherung.

„Das waren ganz normale Passagiermaschinen“, sagt Thomas Buckel. „Die flogen in einer Höhe von vielleicht 1200, 1300 Metern.“ Der 59-jährige Hertingshäuser berichtet von zahlreichen Flugzeugen, die an zwei Wochenenden im Januar ungewöhnlich tief über Nordhessen geflogen seien. Auch ein Bekannter, der in Gudensberg lebe, habe exakt die gleichen Beobachtungen gemacht.

Die Passagierflugzeuge seien samstags und sonntags in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr in Süd-Nord-Richtung geflogen, so der 59-jährige Polizeibeamte aus Baunatal. „Im Abstand von zehn Minuten.“

Die Maschinen seien aus Richtung Gudensberg gekommen, direkt über Baunatal und weiter über Kassel-Oberzwehren geflogen, erläutert Buckel und bekräftigt nochmal: „Es ist Fakt, dass das stattfindet.“

Die Deutsche Flugsicherung in Langen (DFS) winkt ab. „In der Regel sind die Maschinen auf jeden Fall höher“, berichtet DFS-Sprecherin Kristina Kelek. 20.000 bis 25.000 Fuß, 6100 bis 7500 Meter, seien Linienflugzeuge im Luftraum über Kassel mindestens hoch. Maschinen, die in Frankfurt gestartet seien, „sind im Taunus schon 11.000 Fuß (3100 Meter) hoch“, sagt Kelek.

Beobachtete die ungewöhnlichen Flugbewegungen: Thomas Buckel.

Thomas Buckel liefert eine ungewöhnliche Erklärung für das Phänomen. Er hat die Vermutung, dass seine Beobachtung etwas mit dem derzeit laufenden Ausbau des Flughafens Kassel-Calden zu tun hat. Sein Bekannter aus Gudensberg habe gehört, sagt Buckel, dass mit tief fliegenden Maschinen getestet werden solle, ob sich die Bewohner im Raum Kassel darüber beklagen. „Die testen aus, ob Beschwerden kommen“, sagt der Polizeibeamte.

Diese Vermutung weist die Flugsicherung in Langen zurück. „Wir machen keine Tests, bei denen wir prüfen, wie die Bürger reagieren“, sagt DFS-Sprecherin Kristina Kelek.

Kennt den Luftraum über Kassel seit vielen Jahren: Fluglehrer Uwe Knabe.

Auch Uwe Knabe, der Fluglehrer ist und in Kassel-Calden ein Charteflugunternehmen leitet, kann sich die Bewegungen mit sehr tief fliegenden Passagiermaschinen am nächtlichen Himmel über Kassel nicht erklären. Wenn, sagt Knabe, würde die Deutsche Flugsicherung Bescheid wissen. Jede Maschine sei mit einem Transponder ausgestattet. Über Radar werde jedes Flugzeug erfasst. „Jeder Flug nachts unterliegt Radarüberwachung. Das ist selbst mit meinen kleinen Maschinen so.“ Knabe, der seit Jahrzehnten den Luftraum über Kassel kennt, kann sich maximal eine militärische Aktion vorstellen. „Im zivilen Luftverkehr wäre das undenkbar.“

Auch beim Flughafen Kassel-Calden selbst ist man ratlos über die Beobachtungen von Thomas Buckel. „Ich habe keine Erklärung dafür“, sagt Dr. Tobias Busch, Leiter der Verkehrsdienste am Flugplatz. Eines sei zumindest sicher, Anflüge auf Calden selbst habe es zu diesen Zeitpunkten keine gegeben. „Wir schließen im Winterhalbjahr um 18.30 Uhr.“

Von Sven Kühling

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