Über ein sonderbares Wahlplakat in Kaufungen und die Suche nach seiner Bedeutung

Die CDU macht Köpfe mit Nägeln

Sorgt für Aufsehen: Auf dem Plakat der Kaufunger CDU wird einem Mann ein Nagel in den Kopf geschlagen. Foto: Ketteritzsch

Kaufungen. Wäre das Plakat der Kaufunger CDU kein Plakat, sondern ein Wahlwerbespot, dann würde sich die Lebensqualität des Mannes darauf in der nächsten Sekunde dramatisch zum Negativen verändern. Denn der Nagel über ihm, den der Bartträger im besten Mannesalter schon angstvoll fixiert, würde - getrieben von einem gezielten Schlag mit dem Hammer - tief in sein Gehirn eindringen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Opfer der Attacke die Kommunalwahl am 27. März erleben würde, wäre aus medizinischer Sicht ausgesprochen gering. Verzichtet man auf jede Interpretation, so lautet die Botschaft, mit der die CDU um Wähler wirbt: Politik mit Entscheidungen (Irgendwie auch komisches Deutsch, oder?) findet dann statt, wenn man Menschen Nägel in die Köpfe haut. Doch als Wähler denkt man natürlich über einen tieferen Sinn der durchaus im Kontrast zum christlichen Wertesystem der Union stehenden Botschaft nach.

Und steht sogleich vor einem ganzen Berg von Fragen. Warum gleich ein Nagel? Hätte man es nicht erstmal mit einer einfachen Gehirnwäsche versuchen können? Wer ist der Mann, dem dieses unermessliche Leid zugefügt wird? Ein Sozialdemokrat, ein Grüner oder einfach ein stinknormaler Kaufunger, der auch mit einem Supermarkt in der Ortsmitte leben könnte? Wird an dem Bartträger ein Exempel statuiert, oder sind auch noch andere dran? Vielleicht ist aber alles auch nur ein großes Missverständnis. Vielleicht wollten die Christdemokraten ja einfach nur sagen, dass sie in Kaufungen politisch gerne Nägel mit Köpfen machen würden.

Und im Überschwang sind daraus dann Köpfe mit Nägeln geworden. Oder geht es ihnen vielleicht darum, den Nagel auf den Kopf zu treffen? Dann sollten sie wissen, dass der sprichwörtliche Kopf zum Nagel gehört. Er kennzeichnete früher die Mitte von Zielscheiben, die es zu treffen galt. Von menschlichen Köpfen ist in dem Sprichwort keine Rede.

Von Peter Ketteritzsch

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