Weltweit gefragte Instrumente

Niestetaler Firma fertigt Orgeln für die Welt

Martin Bosch, Orgelbauer in dritter Generation, im Ausstellungsraum seiner Firma in Niestetal-Sandershausen. Foto: Zgoll

Niestetal. Wohlklang aus Zinn und Holz: Die Niestetaler Orgelbau-Werkstätte Werner Bosch fertigt weltweit gefragte Instrumente in Handarbeit. Was das Geheimnis der Firma ausmacht erfahren Sie im neuen Teil unserer Serie "Made in Kassel" zum Stadtjubiläum im Jahr 2013.

In der Orgelbau-Werkstatt von Martin Bosch ist Handarbeit angesagt. Die Platten aus einer Zinn-Blei-Legierung, aus der in der eigenen Pfeifenwerkstatt später die Orgelpfeifen gerollt werden, „gießen wir selbst“, erklärt der Orgelbauer. Dass kein gewalztes Zinn verwendet wird, ist eine Frage des späteren Klanges des Instruments. Und für das Holzwerk einer Orgel „kaufe ich selbst im Wald ein“, sagt Bosch. Eiche wird verwendet, aber auch weiche Nadelhölzer für die Holzpfeifen, „wegen der Weichheit des Klanges“. Und harte Obsthölzer für die feinen Mechanikteile, die lange halten sollen. So dauert es Monate, aus Rohstoffen eine Orgel zu fertigen. Aber nur so „können wir die Qualität aus dem eigenen Haus garantieren“, erklärt Bosch den enormen Aufwand.

Die Preise für ein kleines Instrument etwa für eine Friedhofskappelle beginnen bei 40 000 Euro. Die teuerste Orgel, die Bosch bisher gebaut hat, steht in Tokyo und hat 1,2 Millionen Euro gekostet. Ab Juli dieses Jahres wird das gute Stück in eine neue Kirche umgesetzt. Das wird vier Bosch-Mitarbeiter drei Monate lang in Japan beschäftigen, unterstützt von acht Leuten einer japanischen Partnerfirma. Bosch ist mit 100 ausgelieferten Orgeln Marktführer im Land der aufgehenden Sonne.

Für 650 Orgeln in Deutschland hat Bosch die Wartung übernommen. Auch in Kassel stehen von der Martinskirche bis zur Kapelle im Gefängnis viele Bosch-Orgeln.

„Wären wir nur auf dem deutschen Markt aktiv, hätten wir schwer zu kämpfen“, sagt der Chef. Pflege und Wartung der Instrumente tragen etwa 20 Prozent zum Umsatz bei, der Neubau 30 Prozent. Die Hälfte des Umsatzes bringt die fachmännische Restaurierung alter Orgeln. Dafür ist die eigene Pfeifenwerkstatt wichtig, um Ersatzteile fertigen zu können. „Wir sind eine der wenigen Firmen, die den Pfeifenbau noch im Betrieb haben“, erklärt Bosch, warum die traditionsreiche Orgelwerkstatt wohl auch künftig gut im Geschäft bleiben wird. (ach)

In der nächsten Folge geht es um den Doppelkammer-Kaminofen Xeoos und das Nachfolgemodell „Bionic Fire“.

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