Ein Prozent der Stellen mit Männern besetzt

Männliche Erzieher sind im Landkreis Kassel selten

Erzieher mit Leib und Seele: Joachim Käse, Leiter der Waldstation in Baunatal (links), und Martin Hollmann, Leiter des Janusz-Korczak-Hauses in Baunatal, (hier mit Lara und Jannis) haben in der Arbeit mit Kindern ihren Traumberuf gefunden. Foto:  Skupio

Kreis Kassel. „Mehr Männer in Kitas!", fordert ein von EU und Bundesfamilienministerium gestartetes Programm. Leider im Landkreis Kassel bisher erfolglos:

Männliche Erzieher spielen in hiesigen Kindergärten so gut wie keine Rolle. Die Erziehung der Jüngsten bleibt traditionell in Frauenhand.

Im Vergleich ausgewählter Gemeinden im Kreis schneidet Baunatal mit 8,3 Prozent noch am besten ab. In den 13 Kindertagesstätten sind von den rund 120 Angestellten zehn Erzieher und ein männlicher Vorpraktikant beschäftigt.

Gründe für das geringe Interesse am Erzieherberuf bei Männern sieht Heike Pflüger unter anderem darin, dass es in diesem Bereich viele Teilzeitstellen gibt. „Das erfordert Flexibilität“, sagt die stellvertretende Fachbereichsleiterin Fremdenverkehr und Kultur der Gemeinde Niestetal. Dort sind unter den circa 55 Angestellten in den den fünf Kindertagesstätten drei Männer, was einem Antel von 5,46 Prozent entspricht. In den fünf Kitas in Schauenburg gibt es unter den 50 Erziehern keinen einzigen Mann. Auch die beiden Einrichtungen in Espenau sind mit 21 Erzieherinnen und zwei Praktikantinnen komplett in Frauenhand. „Ab dem Sommer haben wir jedoch einen männlichen Jahrespraktikant“, sagt Sascha Lauhof von der Personalsachbearbeitung der Gemeinde Espenau.

„Dass es so wenige männliche Erzieher gibt, hat auch mit der Evolution zu tun“, sagt Liane Schulz-Reichert. Früher seien die Frauen immer für die Erziehung der Kinder zuständig gewesen. „Das dauert, bis sich das wandelt“, sagt die pädagogische Leitung der Stadt Vellmar. In den fünf Kitas und einem Hort sind unter den 80 Erziehern vier Männer.

Dies entspricht einem Anteil von 5 Prozent. „Mittlerweile nehmen aber auch immer mehr Männer ihren Erziehungsurlaub in Anspruch.“ Es brauche einfach Zeit und die passenden Rahmenbedingungen, sagt Schulz-Reichert.

Eine positive Entwicklung sieht auch die stellvertretende Leiterin des Fröbelseminars in Kassel, Barbara Lehr. „In jeder Klasse sind ein paar Männer.“ Der Anteil habe in den vergangenen Jahren zugenommen. Wobei Erzieher nicht nur in Kindergärten arbeiten, sondern in unterschiedlichen Bereichen, so auch in der Betreuung von Schulkindern im Hort.

Von den 600 Erzieher-Stellen im Landkreis Kassel, auf die 1100 Angestellte kommen, sind gerade mal ein Prozent mit Männern besetzt. Diese Zahl nennt Kreispressesprecher Harald Kühlborn auf HNA-Anfrage.

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