Grimm-Beiträger: Auf den Spuren von Marie Hassenpflug und Johann Friedrich Krause

Ein märchenhafter Spaziergang

Eine Gedenktafel erinnert an Johann Friedrich Krause: Friedhelm Lecke lebt heute in seinem Geburtshaus. Fotos: Kothe

Schauenburg. „Er war lange Zeit ein Phantom. Niemand glaubte, dass er gelebt hat“, sagt Heinz Vonjahr. Der ehemalige Pfarrer von Hoof plaudert aus dem Nähkästchen der Grimm’schen Märchenwelt.

Er spricht vom Schauenburger Märchenbeiträger Johann Friedrich Krause. Er übermittelte den Grimms „eigentümliche Märchen“ in einem Spinnstubenheft, auch das vom „Gelernten Jäger“ und von den „Drei Schlangenblättern“.

Bis Vonjahr vor etwa 30 Jahren Krauses Namen in alten Kirchenbüchern entdeckte, erzählte man sich lediglich eine Anekdote über ihn, die die Grimms preisgegeben haben: „Ein pensionierter Dragonerwachtmeister habe ihnen einige Märchen gegen ein paar abgelegte Beinkleider überlassen.“ Diese kleine Geschichte amüsiert seine Gäste, die ihn beim Spaziergang „Wo Marie Hassenpflug und Johann Friedrich Krause lebten“ von Hoof nach Breitenbach begleiten. Dazu eingeladen hatte der Förderverein Schauenburger Märchenwache.

Wenn diese Geschichte so stimmt, war sie damals ganz und gar nicht amüsant. „Für einen ausgedienten Soldaten waren alte Hosen viel wert“, sagt Vonjahr. Krause war über 30 Jahre Elitesoldat. Im Alter von 48 Jahren wurde er krank und damit dienstunfähig. „Eine Hüftfistel bereitete ihm täglich Schmerzen. Er hat sehr gelitten“, erzählt Vonjahr. So steht es in Briefen, die Krause an die Grimms schrieb.

Panoramablick auf die Schauenburg: Frank Lötzerich (von links), Wilfried Grabach, Heinz Vonjahr, Lotte Arend, Anita und Christian Abendroth (Vorsitzender des Fördervereins Schauenburger Märchenwache) genossen die märchenhafte Wanderung in die Natur.

Der Spaziergang führt zu Krauses Geburtshaus in Breitenbach. Das Haus hat mehr als 300 Jahre auf dem Buckel. „In seinem Inneren findet man noch historische Dachsparren und Balken“, sagt Friedhelm Lecke, dem das Haus gehört. Dort untergebracht war auch die erste Schule Breitenbachs, von der man weiß: „Die Familie war eine Lehrer-Dynastie.“ Krause lernte nach seiner Zeit in der Armee wohl Marie Hassenpflug kennen – wahrscheinlich in einem Lesekränzchen. Auch sie schenkte den Grimms ihre Märchen, darunter so bekannte wie „Dornröschen“ und „Rotkäppchen“.

„Die meisten Märchenbeiträger waren Frauen. Marie stammte wie sie aus dem gehobenen Bürgertum. Sie war jung und gebildet und sprach Französisch“, erzählt Vonjahr. Marie kam 1814 nach Hoof, als sie Hauptmann Friedrich von Dalwigk heiratete. Ihr Zuhause dort war der Ausgangspunkt des Spaziergangs. Der große Gutshof war über viele Jahrhunderte im Besitz der Dalwigks. „Damals hatte er den Spitznamen ,die Burg‘. Vermutlich weil Steine aus der Schauenburg vermauert sind“, so Vonjahr. Zu sehen ist dort auch noch das Familienwappen: ein Hirschgeweih mit Rosenknospen.

Bereits vor ihrer Hochzeit gehörte Marie zum Freundeskreis der Grimms in Kassel, wo sie ihnen ihre Märchen übermittelte.

Bilder des Spaziergangs

Märchenspaziergang in Schauenburg

Von Helga Kristina Kothe

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