Gleisarbeiter der Firma Rose arbeiten in der Nacht

Baunatal. Schwülwarme 25 Grad. Ein glühender Sonnenball verabschiedet den Tag in Altenbauna. Während manch einer die Romantik des Abends bei einem Kaltgetränk genießt, schufften sie. Die Gleisarbeiter der Firma Rose aus Kassel nutzen die Nacht.

Von 20.34 Uhr bis 4.10 Uhr am nächsten Morgen ist Sperrpause - so lange fahren auf den Strecke zwischen Baunatal-Großenritte und Kassel-Oberzwehren keine Züge. Und genau so lange haben die Männer Zeit für die Gleisarbeiten. Der 31-jährige Sven Nagel plant den Ersatzverkehr. „Dazu benötige ich drei Monate Vorlauf“, sagt der gelernte Maurer.

Fritz Reimer koordiniert die Arbeiten, die notwendig sind, da „sich das Gleis verdrückt“, sagt er. „An der schwächsten Stelle neigt das Gleis dazu abzuhauen“, erklärt er. Bei Hitze dehne sich das Gleis der Länge nach aus. Um dem entgegenzuwirken, wird an jeder zweiten Schwelle eine sogenannte Sicherheitskappe eingebaut. Der 69-jährige Reimers weiß wovon er spricht. Seit 52 Jahren hat er mit dem Gleisbau zu tun. Er hat schon Ingenieure in Kamerun in Vermessungstechnik ausgebildet. Bei der Firma Rose ist er Bauleiter.

Obwohl einem der Schweiß schon bei völliger Bewegungslosigkeit tropft, sei es wegen der derzeitigen Tagestemperaturen gut, in der Nacht arbeiten zu können, sagt Reimers. Befahrene Schienen dürfen nicht wärmer als 28 Grad sein, wenn an ihnen gearbeitet wird. Die Gefahr, dass ein Zug wegen der sogenannten Verdrückung tagsüber entgleist, sei zu groß.

Bernd Gängler muss sich ranhalten. Der 46-jährige Kasseler gehört zu der seit Mittwoch Nacht eingesetzten zweiten Schicht. Bis Freitag morgen 4.10 Uhr, haben er und seine Kollegen Zeit, 150 Sicherheitskappen einzubauen.

Zunächst setzt Gängler die Kappe am Ende der Schwelle auf. „Früher mussten die Schwellen und Schienen noch von den Arbeitern geschleppt werden“, erläutert Reimers. Heutzutage mache das der Bagger. Eine Kappe wiegt zirka sieben Kilo. Ist die Kappe verschraubt, muss sie noch gestopft werden. Mit 2500 Kilo Schotter wird der 200 Meter lange Bauabschnitt nachgefüllt. So sei für ausreichend Halt gesorgt, wenn die tonnenschweren Züge wieder rollen. Im Anschluss muss die Strecke noch durch einen Bagger planiert werden.

Fotos von den Bauarbeiten

Gleisarbeiten in Baunatal

Bevor die Nacht die letzten Lichtstrahlen verschluckt, muss Reimers weiter. „Im VW -Werk muss ein Gleisschaden begutachtet werden.“ Nagel springt zu dem erfahrenen Reimers ins Auto. „Ich bin dankbar, einen Lehrmeister wie ihn gehabt zu haben, sagt er. Wie lang er das eigentlich noch machen will? „Solange ich im Unruhestand bin“, sagt er und fährt in die Nacht.

Von Diana Surina

Rubriklistenbild: © Surina

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