Helmut Gernhöfer (90) aus Niestetal schnitzte sein ganzes Leben lang

„Man muss das Holz kennen“

Ein Geschenk für seinen Vater: Helmut Gernhöfer in seiner Wohnung mit einer selbstgeschnitzten Eichentruhe. Foto: Sebastian Dilling

Niestetal. Wenn man durch Helmut Gernhöfers Wohnung schreitet, gleicht das einem Gang durchs Museum. In den Zimmern stehen geschnitzte Figuren aus Eichenholz, an den Wänden hängen Schnitzereien wie Wappen und Reliefs von Ortschaften. Heute ist der 90-Jährige nicht mehr aktiv.

„Die Proportionen müssen einfach stimmen“, erklärt Gernhöfer beim Betrachten der Füße einer hölzernen Maria, die auf einer Anrichte steht.

Auch viele Blumen und Blumensträuße aus Eichenholz sind zu sehen. „Echte Rosen vergehen so schnell“, sagt er. Deshalb verschenke er lieber selbst geschnitzte. Egal ob fingerhutgroße Tiere oder ein Meter breite Reliefs - für Gernhöfer zählen die Details.

Für detailreiche Arbeiten wie etwa ein Pferd auf einer Weide oder ein Baum mit vielen kleinen Ästen, die aus dem Bild herauszuwachsen scheinen, muss man viel Fingerspitzengefühl haben.

„Man muss das Holz kennen, sonst platzt es“, sagt Gernhöfer. Er habe das Schnitzen von seinem Urgroßvater, einem Bildhauer, „geerbt“, meint der 90-Jährige. Lange Zeit habe er nichts von seinem Talent gewusst. Als Kind hat er seinem Urgroßvater oft beim Schnitzen zugeschaut. Dabei wurde er offenbar mit dieser Fertigkeit vertraut. Schon vor dem Krieg fing der in Danzig geborene Gernhöfer mit dem Schnitzen an.

Auch während der sechs Monate in britischer Gefangenschaft konnte man ihn nicht davon abbringen. „Das Entscheidende ist das Menschliche im Menschen“, sagt er nachdenklich. Nach dem Krieg half Gernhöfer einem Freund, eine Schreinerei aufzubauen. Mit seinem Fachwissen in Sachen Holz konnte er ihn tatkräftig unterstützen.

Auch seine Frau, die inzwischen verstorben ist, unterstützte ihn bei seinem Hobby. Sie wünschte sich von ihrem Mann eine Krippe mit dem Jesuskind. Er setzte sich hin und schnitt aus Holz ein stilisiertes, dreidimensionales Krippenbild.

Frau spornte ihn an

Immer wieder habe ihn seine Frau zu neuen, schwierigen Arbeiten angespornt, berichtet er. Die verschiedensten Arbeiten in seiner Niestetaler Wohnung künden davon. Etwa die kleine handliche Eichentruhe, die er einst für seinen Vater schnitzte, der davon schwer beeindruckt war.

Später arbeitete Gernhöfer beim Bundesgrenzschutz. Mit seiner Frau zog er nach Harleshausen.

Während all der Jahre verkaufte Gernhöfer viele seiner Schnitzereien, oft Wappen, an adelige Familien.

Mit seiner Frau hat er vier Kinder großgezogen, die heute alle verheiratet sind und selbst Kinder haben.

Von Sebastian Dilling

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