Jetzt in Baunatal, danach in Fuldabrück unterwegs

Werner Kapell sucht Lecks in Erdgasleitungen

Zu Fuß unterwegs: Werner Kapell läuft mit seinem Spürgerät die Gasleitungen ab. Dabei muss er auch Privatgrundstücke betreten. Die meisten Hauseigentümer reagieren neugierig auf den unangekündigten Besuch. Auf dem Display (kleines Foto oben) kann er die gemessenen Werte ablesen. Fotos:  Deppe

Baunatal / Fuldabrück. Es ist ein Beruf, mit dem Werner Kapell im Fernseh-Ratespiel „Was bin ich?“ erfolgreich hätte abschneiden können. Der Gütersloher ist gelernter Gasprüfer und zurzeit in Baunatal und bald in Fuldabrück unterwegs.

Alle vier Jahre müssen Erdgasleitungen auf Lecks untersucht werden. Dafür ist Kapell zuständig.

Er schnallt sich sein hochsensibles Spürgerät um, das auf den ersten Blick an einen orangefarbenen Staubsauger erinnert, und macht sich auf den Weg. Zu Fuß läuft Kapell alle Gasleitungen im Einsatzgebiet ab. Dabei muss er häufig auch Privatgrundstücke betreten.

Als unangemeldeter Gast wird Kapell von den Anwohnern oft über seine Tätigkeit befragt. „Die große Mehrheit ist sehr freundlich und neugierig. Und für alle Zweifler kann ich mich ja gut ausweisen“, sagt der Angestellte der Gütersloher Firma für Gasortung Sewerin, der berufsbedingt jährlich zwischen 800 und 1000 Kilometer zu Fuß bewältigt.

In Baunatal und Fuldabrück umfasst das Erdgasnetz, das von der Eon Mitte betrieben wird, 115 Kilometer. Für die 40 Kilometer in Fuldabrück rechnet Kapell sechs Arbeitstage ein.

Gerade im Herbst kann ihm aber schnell das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen. Denn wenn der Boden nass ist, funktionieren die sensiblen Messgeräte nicht. Eine Sonde am Boden saugt Luft an und analysiert diese auf einen möglichen Methangasgehalt. Ist die Leitung undicht, die in etwa 80 Zentimeter Tiefe verläuft, dringen geringe Gasmengen an die Oberfläche. Für den menschlichen Geruchssinn sind diese nicht wahrnehmbar, die Sonde ist aber deutlich sensibler. Gelangt Kapell an eine Stelle mit erhöhter Gaskonzentration, ertönt ein akustisches Signal. Um sicherzugehen, dass die Messung nicht durch Autoabgase oder Temperaturunterschiede im Boden beeinflusst wurde, überprüft er die Stelle noch mehrfach. Bleibt es beim Verdacht einer Leckage, informiert er umgehend die Netzleitstelle von Eon Mitte, deren Mitarbeiter sich dann um die Reparatur kümmern.

Dieser Fall tritt allerdings nur selten auf. „Alle paar Wochen mal“, sagt Kapell. Seine Freude über eine Entdeckung ist zwiespältig. Zwar sei er froh, wenn alle Leitungen in gutem Zustand sind. Andererseits bedeute ein gefundenes Leck auch Abwechslung in seinem Arbeitsalltag, sagt er. Dass nur selten Fälle von maroden Leitungen bekannt werden, liegt vor allem am hochmodernen Leitungsnetz und der regelmäßigen Überprüfung durch den Netzbetreiber, meint Kapell.

Über frische Luft im Beruf kann Werner Kapell sich nicht beklagen, auch jetzt ist der 60-Jährige braun gebrannt. „Ich werde oft gefragt, ob ich gerade im Urlaub war“, sagt er. „Ich antworte dann: Nein, ich war einfach arbeiten.“

Von Lasse Deppe

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