Wer muss bezahlen?

Schäden im Bad: Marathon-Prozess um Baunataler Aqua-Park droht

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Abgeplatzte Fliesen: Im Baunataler Aqua-Park lösten sich großflächig schadhafte Fliesen. Nun geht es darum, wer für die umfangreichen und kostspieligen Reparaturen in die Tasche greifen muss.

Baunatal. Der Aqua-Park in Baunatal wird die Stadtverordneten sicher noch länger beschäftigen. Die drängenden Fragen: Wer ist schuld an den Schäden, und wer muss bezahlen?

Es begann im Spätsommer mit einigen abgelösten Fliesen und 200 000 Euro veranschlagten Kosten. Doch inzwischen ist die Stadt Baunatal nach mehreren Besichtigungen und Begutachtungen des Schadens im vor fünf Jahren runderneuerten Aqua-Park bereits fast bei einer knappen Million Euro angekommen, die Einnahmeausfälle durch die monatelange Schließung noch nicht eingerechnet.

Bis auf die Betonsohle muss der Estrich entfernt werden. Dazu droht ein Prozess-Marathon. Man werde notfalls auch in den zweiten oder dritten Rechtszug gehen, um sich das Geld von den Verursachern wiederzuholen, sagte Silke Engler (SPD), Baunatals Erste Stadträtin, in der Stadtverordnetensitzung.

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Das Gremium bewilligte nach zum Teil heftig geführter Debatte mit den Stimmen der SPD und der Mehrzahl der Grünen-Fraktion eine zusätzliche Ausgabe von 550.000 Euro, um die Rundum-Reparatur finanziell abzusichern. Der Betrag werde durch höhere Gewerbesteuereinnahmen in diesem Jahr aufgefangen, hieß es vom Magistrat. Mit dem Prozess vor dem Landgericht gegen den oder die am Bau beteiligten schadenverursachenden Firmen wird es aber noch dauern. Sie erwarte erst im Herbst den abschließenden Bericht des gerichtlich bestellten Gutachters, sagte Engler auf Anfrage. Theoretisch in Betracht kommen das von der Stadt beauftragte Planungsbüro, ein ortsansässiger Architekt und die ausführenden Firmen.

Sie habe momentan keine Zweifel an einer Durchsetzung der Schadenersatzansprüche, sagte Engler. Es handele sich um seit Jahren am Markt agierende Firmen. „Das Problem der Insolvenz sehe ich nicht“, erklärte die Stadträtin. Das Prozessrisiko für die Stadt dürfte sich auf einen höheren fünfstelligen Betrag belaufen.

Die Stadt habe in der Bauphase „alles richtig gemacht“ und „Firmen mit gutem Ruf genommen“, sagte SPD-Fraktionschef Reiner Heine. Nun sei der Stadt neben den Kosten ein Imageschaden entstanden. „Den kann man gar nicht in Euro ausdrücken“, meinte er. Die CDU und der Grünen-Stadtverordnete Lothar Rost sahen das völlig anders. „Wir stehen vor einem Scherbenhaufen“, sagte Unionsfraktionschef Sebastian Stüssel und sprach von „Pfusch der allerfeinsten Sorte“. Es habe schon früher Pannen gegeben, er halte es für möglich, dass die Sanierung am Ende zwei Millionen Euro kosten könne, sagte Dierk Koch (CDU).

Man müsse sich fragen, ob in der Verwaltung genügend Sachverstand vorhanden sei, um solch eine Baumaßnahme zu überwachen, erklärte Rost. Die Union und Rost verweigerten ihre Zustimmung zur Freigabe des Geldes mit dem Hinweis, die Stadt müsse erst ihre Prozesse und Organisation für solche Großvorhaben verbessern. Das habe man längst getan, entgegnete Engler. Bei der neuerlichen Sanierung werde ein Fachgutachter jeden Schritt überwachen. Außerdem habe man ein Bau-Investitions-Controlling für größere Vorhaben eingeführt.

Von Peter Dilling

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