Kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Marktkauf im Ratio will 40-Stunden-Woche

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Illuminiert: Die Fassade des Ratio-Landes, indem auch der Ratio-Einkaufsmarkt untergebracht ist.

Baunatal. Unruhe herrscht unter den Mitarbeitern des Ratio-Marktes Baunatal. Im März 2011 hatte die Edeka Hessenring das Ratio SB Warenhaus übernommen und in seine Marktkauf-Schiene eingegliedert.

In einer Pressemitteilung kritisierte jetzt die Gewerkschaft Ver.di Bezirk Nordhessen, dass Marktkauf plane, die Wochenarbeitszeit bei dreiprozentiger Gehaltserhöhung auf 40 Stunden zu erhöhen und das tarifliche Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu streichen. Denn im Gegensatz zum Ratio, wo die Tarifverträge des hessischen Einzel- und Versandhandels galten, sei Marktkauf als Teil des Edeka-Konzerns nicht tarifgebunden, heißt es in der Stellungnahme.

„Wenn die Beschäftigten drei Prozent mehr verdienen, dafür aber zweieinhalb Stunden mehr arbeiten müssen, dann ist das eine Mogelpackung“, schreibt Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke vom Ver.di-Bezirk Nordhessen in einer Pressemitteilung. Denn Ver.di habe errechnet, dass die kostenlose Mehrarbeit von zehn Stunden im Monat eine Lohneinbuße von „über fünf Prozent bedeutet“. Und das Angebot des Arbeitgebers, statt des frei verfügbaren Urlaub- und Weihnachtsgeldes Warengutscheine zu verteilen, sei kein Ersatz und daher nicht akzeptabel.

Während eines Info-Treffens, an dem laut Middeke 40 der rund 140 Mitarbeiter teilnahmen, informierte Ver.di die Beschäftigten, dass ein Tarifvertrag, der für ein Arbeitsverhältnis gegolten hat, auch dann weiter in Kraft bleibt, wenn der neue Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist. Dies gelte so lange, bis ein neuer Vertrag abgeschlossen werde.

Warenhaus im Ratio-Land: Im November 2011 hat Edeka Hessenring das SB Warenhaus eröffnet. Die Gewerkschaft Ver.di warnt jetzt vor neuen Verträgen für die Mitarbeiter. Archivfoto: Koch

Viele Betroffene des Ratio-Marktes weigerten sich laut Middeke deshalb, neue Verträge oder Zusatzvereinbarungen zu den angeblich schlechteren Konditionen zu unterschreiben. In einem Brief an die Geschäftsführung wollen Ratio-Mitarbeiter laut Middeke jetzt klarstellen, dass „sie eine Arbeitszeitverlängerung nicht akzeptieren und auf ihren alten Arbeitsverträgen bestehen wollen“.

Bei der Geschäftsleitung, der Edeka-Hessenring Melsungen, sieht man das Vorpreschen der Gewerkschaften nicht gern. „Unser Ansprechpartner ist allein der Betriebsrat“, stellte Geschäftsführer Hans-Richard Schneeweiß gegenüber unserer Zeitung klar. Von geplanten Kürzungen wollte er nicht sprechen. „Wir wollen Gehaltsanpassungen bei Mitarbeitergruppen vornehmen.“ Die 40-Stunden-Woche sei beim Ratio-Warenhaus übrigens heute schon üblich. Durch „natürliche Fluktuation“ seien schon neue Verträge abgeschlossen worden. „Wir haben den Mitarbeitern mehrere Varianten vorgestellt - ganz ohne Druck und Zwang.“

Der Betriebsrat des Ratio will am Donnerstag eine Stellungnahme zu dem Thema abgeben.

Von Stefan Wewetzer

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