Marktplatz: Erinnerungsstücke aus alter Zeit

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Düstere Erinnerungen: Beim Lesen der Feldpostbriefe seines Vaters werden bei Otto Weymann Erinnerungen an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte wach.

Otto Weymann ist Sammler. Oder er war es zumindest. Der ehemalige Gold- und Silberschmied hat ein Faible für alte VW-Käfer, von denen er einst eine stolze Sammlung besaß.

Einer seiner Käfer ist heute noch im Porsche-Museum in Salzburg zu bewundern. Auch ein Buch über seine Fahrten mit dem Kultauto durch die Republik hat er verfasst. Doch verfügt Weymann noch über eine weitere Sammlung, die für ihn vor allem einen persönlichen Wert hat. Über 200 Feldpostbriefe seines Vaters besitzt Weymann. Diese stammen aus den Jahren 1939 bis 1945, in denen sein Vater – ebenfalls Otto Weymann – größtenteils in Frankreich stationiert war.

Alte Erinnerungen werden geweckt

Die Briefe richten sich an seine Frau im heimischen Ihringshausen und gewähren ganz persönliche Einblicke in eines der finstersten Kapitel deutscher Geschichte. Beim Anblick der handschriftlich verfassten Feldpostbriefe seines Vaters kommt Otto Weymann ins Erzählen. Denn auch bei ihm sind die Erinnerungen an Bombenangriffe, rauchende Trümmer und die angehäuften Opfer noch präsent.

„Mein Vater war auch Gold- und Silberschmied, er hatte einen Betrieb in Kassel. 1939 sind wir dann nach Ihringshausen umgezogen, was uns letztlich das Leben gerettet hat“, sagt Weymann. Denn das Haus in Kassel, in dem die Familie zuvor wohnte, wurde bei Bombenangriffen zerstört, die ehemaligen Nachbarn kamen dabei im Keller ums Leben. „Dort hätten wir wohl auch gehockt, wären wir noch in Kassel gewesen“, sagt Weymann.

Historische Zeugnisse

Die Feldpostbriefe rufen düstere Erinnerungen hervor, stellen aber zugleich einzigartige historische Original-Dokumente dar. „Ich war nie ein Sammler von Postsachen, habe die Feldpostbriefe meines Vaters als Erinnerungsstücke behalten“, erklärt der Besitzer, der aber überzeugt ist, dass entsprechende Sammler, historisch Interessierte oder gar Museen sich für die Zeitzeugnisse begeistern könnten. Einige Stücke wird Weymann behalten, auch seine Geschwister haben sich bereits ein paar Briefe als Erinnerung ausgesucht. „Doch es sind so viele Briefe und letztlich liegen sie hier nur rum, was eigentlich zu schade ist.“ Daher ist Otto Weymann bereit, sich von dem Großteil der Brief-Sammlung zu trennen. Die Feldpostbriefe sind einzeln abzugeben, pro Stück möchte Otto Weymann sie für fünf Euro verkaufen. Von Peer Bergholter

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