Projektwoche in Fuldataler Reinhardswaldschule

Mathe-Genies tüftelten an Lösungen von realen Problemen

Freut sich, Mathe anwenden zu können: Oliver Grosch hat sich für die Modellierungswoche qualifiziert. Insgesamt 40 Schüler haben eine Woche lang über Lösungen von Problemen mithilfe der Mathematik gegrübelt. Foto: Wüstefeld

Fuldatal. Es klingt nach einem Problem, auf das viele nie eine Antwort finden würden: Bei welchem Satz ist ein Zins fair, sodass sowohl die Bank als auch der Kunde damit leben können? Schüttelt die Mehrheit ratlos mit dem Kopf, fangen bei zumindest 40 Schülern aus Hessen, Bayern und Baden-Württemberg die Augen an zu leuchten.

Denn Problemstellungen wie diese sind es, bei denen sie das anwenden können, was sie mögen: Mathematik.

Die haben sie in den vergangenen sechs Tagen ständig gebraucht: Die Schüler waren die Teilnehmer der diesjährigen Modellierungswoche in der Reinhardswaldschule Fuldatal, die vom Zentrum für Mathematik (ZFM) angeboten wird. Teilnehmen dürfen die Schüler, die im Frühjahr beim Tag der Mathematik gewonnen haben.

„Das ist sehr interessant“, erzählt der 17-jährige Oliver Grosch. Der Bayer hatte sich zwar nicht direkt qualifizieren können, ist aber nachgerückt. „Das ist wirklich eine tolle Erfahrung.“ Ihm gefalle, dass hier echte Probleme behandelt werden, nichts Abstraktes. Genau das ist das Ziel der Verantwortlichen beim ZFM: „Mathematik ist hier ein Werkzeug, mit dem Probleme gelöst werden“, sagt Vorstandssprecher Peter Prewitz. Die realistischen Aufgabenstellungen seien natürlich dem Alter der Gymnasiasten der Jahrgangsstufen elf und zwölf angepasst, „die Qualität hier ist aber wirklich hoch, das sind alles kluge Köpfe“.

Klug waren auch die fünf Schüler, die den fairen Zinssatz errechnen sollten: „Wir haben eine Formel aufgestellt“, sagen die, „ideal wären 4,29 Prozent.“

Für diese Probleme wurden Lösungen gesucht

Problem: Leitsysteme für Verkehr 

Das Problem ist jedem Autofahrer bekannt: Rollt es nach einem Stau wieder, fragt man sich das ein oder andere Mal, warum eigentlich nichts mehr rollte. Damit es aber erst gar nicht zum Stau kommt, müssten bestimmte Geschwindigkeiten eingehalten werden. „Die haben wir für Autobahnen errechnet“, sagt der 17-jährige Philipp Schellhaas aus Südhessen. Abhängig seien sie unter anderem von der Verkehrsdichte. „Optimalerweise sollte man auf der Autobahn 80 Stundenkilometer fahren, wenn viel Verkehr ist.“ Denn wenn der dicht sei, die Autofahrer aber schneller unterwegs seien, könne der Sicherheitsabstand zum Vorderauto nicht mehr eingehalten werden, „man muss bremsen“. Und schon fängt es an, sich zu stauen.

Mit 80 km/h hingegen würden möglichst viele Autos relativ schnell ankommen, das gelte allerdings nur für die Autobahnen. Sei weniger Verkehr, können die Autofahrer natürlich schneller fahren, innerhalb der erlaubten Geschwindigkeitsgrenze.

Problem: Reduktion von Fluglärm

Eine der insgesamt acht Problemstellungen befasste sich mit der Fluglärmreduktion und den Ausgleichsmaßnahmen. Fünf Schüler haben sich des Problems angenommen und errechnet, wo die Flugbahnen optimal verlaufen, um Fluglärm und Ausgleichszahlungen der Fluggesellschaft an die Anwohner möglichst gering zu halten. „Wir haben ein Modell erstellt, wo ein Flughafen am besten gebaut wird“, erklärt die 18-jährige Laura Grünsfelder. „Dann haben wir mit bestimmten Programmen errechnet, wo die Abflug- und Landeanflug-Routen am besten verlaufen.“ Als Parameter dienten unter anderem die Grenzwerte der allgemeinen Verträglichkeit.

Ein steilerer Anflug als bisher lohne sich nach Berechnungen der Schüler nicht: „Die Ausgleichszahlungen für die Fluggesellschaft wären höher, eine Verringerung des Fluglärms gibt es nicht“, sagt Nick Winter (18). Um die Flugrouten für ihre Mitstreiter deutlich zu machen, wurde „eine Modellstadt visualisiert“.

Von Constanze Wüstefeld

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.