25 Jahre Hünstein-Apotheke: Chef Berthold Krug beschreibt Wandel der Arbeit – Beratung spielt Hauptrolle

Medikamente aus dem Computer

So ging es damals los: Berthold Krug 1986 in der neu gebauten Hünstein-Apotheke. Foto: privat/nh

Baunatal. „Früher war es die hohe Kunst der Apotheker, Schriften zu lesen“, erzählt Berthold Krug: Kryptische Schriften von Ärzten mussten auf den Rezepten entziffert werden. Heute regiert nicht nur in den Arztpraxen der Computer. „Ohne den geht gar nichts“, sagt Krug – der wesentliche Wandel der Branche während eines Vierteljahrhunderts. Und damit auch in seiner Großenritter Hünstein-Apotheke, die in diesen Tagen 25 Jahre alt ist.

Der Computer gibt vor, welche Arznei die Apotheke einem Kassenpatienten aushändigen darf. Basis sind Verträge von Krankenkassen mit Pharmafirmen. Schreibt der Arzt Medikament X auf, so kann es sein, dass Krug und seine Mitarbeiterinnen wegen der Kosten Medikament Y über den Tresen reichen müssen. „Das bedeutet immens hohen Beratungsbedarf, ist aber vom Gesetzgeber so gewollt“, sagt der 55-Jährige. Gerade ältere Menschen gingen oft vom Aussehen der Packung aus. „Da ist sehr viel Einfühlungsvermögen nötig.“ Früher dagegen habe der Apotheker von einer ärztlichen Verordnung nicht abweichen dürfen.

Berthold Krug, ein Großenritter Urgestein, wollte einen Gesundheitsberuf lernen, er ließ sich zum PTA (Pharmazeutisch-technischen Assistent) ausbilden. Doch das reichte ihm nicht, er studierte von 1979 bis 1982 in Marburg Pharmazie, arbeitete danach als angestellter Apotheker. Da hatte er die Idee der Selbstständigkeit aber schon im Kopf.

Ein Grundstück in geeigneter Lage an der Elgershäuser Straße in Großenritte gehörte den Eltern, das erleichterte den Start. Seit 1986 steht dort die inzwischen nochmals erweiterte Hünstein-Apotheke. Mit zwei Mitarbeiterinnen ging es los, heute sind es sieben.

Die Bürokratie mache es zunehmend schwieriger, pharmazeutisch zu arbeiten, stellt Krug fest. Und: Stets sei von Geld die Rede. Er aber sehe es auch als Pflicht an, im Zweifel von einer Pille abzuraten. Nebensortimente wie etwa Kosmetika halten sich in der Hünstein-Apotheke in Grenzen. Sein Haus sei kein Shoppingcenter, sagt Krug, und Laufkundschaft habe er an einer Ausfallstraße mit Wohngebieten rundherum nicht: „Wer zu mir kommt, der läuft mich gezielt an.“ Wobei aber auch seiner Apotheke nutze, dass Ärzte in der Nähe praktizieren.

Natürlich mache sich der Internet-Handel als Konkurrenz bemerkbar, aber nicht entscheidend, sagt Krug. Vorsichtshalber hat er selbst früh eine Internet-Apotheke eingerichtet, aber die laufe nur nebenher. Spezialisiert hat sich die Apotheke – eine von zweien in Großenritte – auf Hilfsmittel bis hin zum Rollator. Eine defekte Bremse an einem solchen Gefährt repariert der handwerklich begabte Hünstein-Chef übrigens selbst. www.huenstein-apotheke.de ZUR PERSON

Aktionen der Hünstein-Apotheke bis 5. November: gratis Haar- und Nagelberatung (mit Anmeldung) sowie Glücksrad, Tee- und Tablettenquiz, Blutdruckmessung, Zahnbürsten-Tausch und noch mehr.

Von Ingrid Jünemann

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