Kandidaten-Porträt

Horst Pilgram (Linke) will die Gewerkschaften stärken

Liebt die Natur: Horst Pilgram pflückt die reifen Sommeräpfel in seinem Garten. Foto: Schindler

Schauenburg. Die Wahrscheinlichkeit, dass Horst Pilgram am 22. September in den hessischen Landtag gewählt wird, ist gering. Denn auf der Landesliste der Linken steht der 60-Jährige aus Schauenburg nicht, und das Direktmandat in der SPD-Hochburg des Wahlkreises Kassel II wird er wohl kaum erringen.

Trotzdem hält Pilgram seine Kandidatur für wichtig: „Ich trommele für mehr Demokratie“, sagt der Lehrer, der seit 23 Jahren im Schwalm-Eder-Kreis mit benachteiligten Jugendlichen arbeitet.

Mehr Demokratie wagen – dieses Motto von Willy Brandt aus den 70er-Jahren findet der Linke höchst aktuell. Vor allem in den Betrieben müsse es umgesetzt werden. Eine neoliberale Politik greife in Deutschland immer mehr Raum, Ergebnis sei ein kalter Kapitalismus, der auf der ungezügelten Macht der Bosse beruhe. „Da brauchen wir als Gegenmacht starke Gewerkschaften“, sagt Pilgram, der selbst Betriebsrat und seit 30 Jahren Gewerkschaftsmitglied ist.

„Meine Utopie sind selbstverwaltete Betriebe“, sagt er. „Ich meine nicht Verstaatlichung, ich will aktive und selbstbestimmte Menschen, auch an der Arbeit.“ Die frühere DDR ist für ihn ein schlechtes Modell: „Das war Stalinismus, keine Demokratie.“

Doch Politik ist nicht alles in seinem Leben. „Ich liebe die Natur, die gibt mir Kraft“, sagt der 60-Jährige, der seit seinem achten Lebensjahr Mitglied der Waldjugend Elgershausen „Die Spechte“ ist. So wandert er leidenschaftlich gerne und verbringt viel Zeit in seinem großen Garten. Und auch dabei findet er große Vorbilder – etwa Rosa Luxemburg, von der Pilgram folgenden Satz in seinem Wohnzimmer hängen hat: „Innerlich fühl’ ich mich im Feld unter Hummeln im Gras viel mehr in meiner Heimat als auf einem Parteitag.“ Die bekannte Sozialistin des frühen 20. Jahrhunderts hat es ihm wegen ihrer undogmatischen Art angetan. So gründete Pilgram im Jahr 2008 in Kassel einen Ableger der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit. Was würde er gerne durchsetzen? Die Einführung eines Mindestlohns von 10 Euro; Ganztagsschulen – nicht als Pflicht, sondern als Angebot; die Energiewende – aber das Landschaftsbild dürfe dabei nicht zerstört werden; bezahlbare Wohnungen für alle; Ausbau der sozialen Sicherungssysteme; ein Stopp der Umverteilung von Arm nach Reich.

DREI MAL, ZUR PERSON

Von Holger Schindler

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