Nachwuchs unter drei Jahren: Betreuungsangebot größer als Nachfrage

Genug Plätze für Kinder - Bund verlangt dennoch Erweiterung

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Raum für die Jüngsten: Vor allem Tagesmütter betreuen in Baunatal Kinder unter drei Jahren. Mit einigen ihrer Schützlinge sind hier Schriftführerin Anke Albrecht (hinten von links), Kassiererin Jaqueline Leja, Brigitte Hofmann, Vizevorsitzende Daniela Busch, Vorsitzende Manuela Brombach und Melanie Füßing (Öffentlichkeitsarbeit) von der Kindertagespflege Baunatal-Schauenburg zu sehen. Das Bild entstand im August.

Baunatal. Ein Dilemma: Von den 165 Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren sind in Baunatal längst nicht alle belegt. Aber dennoch müsste die Stadt eigentlich bis Ende kommenden Jahres auf etwa 200 Plätze aufstocken, um die von Berlin vorgegebene 35-Prozent-Quote zu erfüllen.

Doch Bürgermeister Manfred Schaub will keinen leeren Raum unterhalten. Nun soll eine weitere Befragung mehr Aufschluss über die Betreuungswünsche junger Eltern bringen. „Rollt da eine Welle auf uns zu oder nicht?“ Das möchte Schaub klären. Eine erste Fragerunde, bei der es aber lediglich 40 Rückmeldungen gab, hatte ergeben, dass der Betreuungsbedarf offenbar gedeckt ist.

Jedoch ist denkbar, dass sich die Lage ändert, wenn in Baunatal ab Sommer 2013 auch die Regelbetreuung von Kindern unter drei Jahren kostenlos sein wird – so wie beim Kindergartenbesuch schon seit einigen Jahren der Fall. Möglicherweise entscheiden sich künftig mehr Eltern für einen Platz in einer Krippe oder bei einer Tagesmutter. Andererseits, so der Bürgermeister, könnte das neue Betreuungsgeld das Interesse wiederum mindern.

Von den 165 Plätzen, die es in der VW-Stadt bereits gibt, ist etwa ein Dutzend frei. Hinzu kommt, dass nur etwa 100 Plätze von Baunataler Kindern belegt sind, 50 Sprösslinge kommen aus Kassel und Gemeinden der Umgebung. „Heute ist der Bedarf übererfüllt“, sagt der Rathauschef.

Weitere 35 bis 40 Plätze für die sogenannte U-3-Betreuung müsste Baunatal schaffen, weil die VW-Stadt – statistisch gesehen – in den nächsten drei Jahren 600 neue Erdenbürger bekommen wird. Für 35 Prozent davon, also etwa 200, müssen Betreuungsplätze vorhanden sein. Nur: Bislang werden so viele gar nicht nachgefragt.

So ist bei entsprechendem Befragungsergebnis nicht ausgeschlossen, dass die Stadt gar nichts unternimmt, obwohl sie die 35-Prozent-Quote nicht erfüllt. Eng könnte es sowieso nur werden, wenn abgewiesene Eltern den ab 2014 geltenden Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz einklagen würden.

Die Befragung soll nach der Verabschiedung des städtischen Haushalts Mitte Dezember starten. Denn dann ist auch die Gebührenfreiheit beschlossene Sache. Sollte sich indes ergeben, dass tatsächlich mehr als 165 Plätze benötigt werden, dann werde die Stadt diese schaffen, sagt Schaub. Dafür bleibe bis zum Beginn des Betreuungsjahrs 2013/2014 noch ein Dreivierteljahr Zeit.

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