Mehr Unfälle zwischen Papierfabrik und Eschenstruth – Straßenbehörde: Schutzzäune sind nicht notwendig

Mehr Wild-Unfälle auf B7  – Behörde: Schutzzäune sind nicht notwendig

Kaufungen / Helsa. Es war ein schlimmes Bild, das sich an jenem Abend im Frühjahr dieses Jahres auf der Bundesstraße 7 kurz vor der Abfahrt Niederkaufungen bot. Zwei Autos waren in eine Rotte Wildschweine gefahren.

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Mehrere Tiere verendeten bei dem Versuch, die viel befahrene Ost-West-Verbindung zu überqueren. Die Autofahrer blieben bei dem Unfall glücklicherweise unverletzt. Dass die Begegnungen von Wild und Autos nicht immer so glimpflich abgehen, zeigt der schreckliche Unfall auf der Autobahn 5 bei Alsfeld (Vogelsbergkreis). Dort starben unlängst die Freundin und die Schwester eines Göttinger Basketballprofis sowie ein 46-jähriger Autofahrer aus Vellmar.

Seit dem Unfall, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte, sind auch viele Autofahrer, die auf der Bundesstraße 7 unterwegs sind, besorgt. Sie stellen sich die Frage, ob in dem Abschnitt zwischen Kaufungen-Papierfabrik und Helsa-Eschenstruth genug getan wird, um Unfälle mit Wildschwein, Reh, Hirsch und Co. zu verhindern. Vor allem zwischen Oberkaufungen und Eschenstruth reicht der Wald bis an die Bundesstraße heran. Zwischen Papierfabrik und Niederkaufungen verläuft die in diesem Abschnitt autobahnähnlich ausgebaute Straße vierspurig mitten durch die Felder.

Dass es auf der Bundesstraße 7 immer wieder Probleme mit querendem Wild gibt, beweist auch die Unfallstatistik der Kasseler Polizei. Im laufenden Jahr registrierten die Beamten bis Mitte Oktober 19 Unfälle, der Sachschaden belief sich auf knapp 21 000 Euro. Besonders häufig krachte es nach Auskunft von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch im vergangenen Jahr.

Für 2010 weist die Statistik 29 Unfälle aus, bei denen zwei Menschen leicht verletzt wurden. Sachschaden: knapp 41 000 Euro. Seit dem tragischen Unfall auf der A 5 wird auch wieder über die Sicherung von Autobahnen und Bundesstraßen durch Wildschutzzäune diskutiert. Entlang der B 7 zwischen Papierfabrik und Eschenstruth gibt es diese Zäune nicht. „Sie sind auch nicht geplant“, sagt Christa Tserdakidou vom Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen in Wiesbaden auf HNA-Anfrage.

Die Behördensprecherin verweist auf die Richtlinien des Bundesverkehrsministeriums für den Bau der Schutzeinrichtungen. Danach sind diese für Straßen mit einer einzigen Fahrbahn grundsätzlich nicht vorgesehen. Diese Regelung gilt für den Großteil der B 7: Zwischen der Setzebachbrücke bei Niederkaufungen und Eschenstruth besteht die Straße lediglich aus einer Fahrbahn. Darauf gibt es entweder zwei Richtungsfahrstreifen oder es gilt das sogenannte 2+1-System, das das Überholen in bestimmten Streckenabschnitten ermöglicht.

Infrage kommt der Bau von Wildschutzzäunen nach Angaben von Behördensprecherin Tserdakidou dagegen dort, wo die Bundesstraße 7 aus zwei Fahrbahnen besteht, also zwischen Papierfabrik und der Setzebachbrücke. In derartigen Bereichen könnten Zäune errichtet werden. Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Kassel habe den Bereich geprüft. Bei den Wildunfällen gibt es nach Einschätzung der Behörde in dem betroffenen Abschnitt aber „keine Auffälligkeiten größerer Art“.

Das sagen Jäger und Forst

Für Dr. Christian Karst, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Oberkaufungen, sind Wildschutzzäune keine Lösung. Sie bedeuteten einen „enormen Eingriff“ in die Natur. Auch seien die hohen Kosten zu berücksichtigen. Karst: „Der Aufwand wäre einfach zu groß.“ Der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft verweist auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen von 100 beziehungsweise 80 Kilometer pro Stunde auf dem B7-Abschnitt.

Stiftsförster Carl Hellmond hält Wildschutzzäune für ein gutes Mittel, um Unfälle zu verhindern. Allerdings dürften durch die Zäune die Lebensräume der Wildtiere nicht zerschnitten werden. Grünbrücken, wie sie für die Autobahn im Lossetal geplant seien, könnten Abhilfe schaffen. (ket)

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