Gutachten soll Machbarkeit klären

Lohfelden prüft Straßenbahnanbindung an Kassel

Ab ins Grüne: Vor gut einem Jahr wurde die Straßenbahn nach Vellmar eröffnet, die bisher letzte Erweiterung des Kasseler Tramnetzes. Foto: KVG/nh

Lohfelden. Die Gemeinde Lohfelden will durch einen Gutachter klären lassen, ob eine Straßenbahnanbindung an die Stadt Kassel sinnvoll und machbar ist. „Der Gemeindevorstand hat eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht“, bestätigte Bürgermeister Michael Reuter (SPD) Informationen der HNA.

Inhaltlich will er sich zu dem Thema aber nicht weiter äußern, dazu müsse erst das Ergebnis der Studie vorliegen. Das soll im Frühsommer 2013 der Fall sein.

Hintergrund für den Auftrag, den der Gemeindevorstand vergibt, ist das Auslaufen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes im Jahr 2019. Spätestens fünf Jahre vorher, also bis 2014, müssen Verkehrsprojekte zur Bezuschussung angemeldet sein. Die Gemeinde will sich die Möglichkeit eines Zuschusses sichern, falls man sich für den Bau der Straßenbahn entscheiden sollte. Denn ganz ohne Förderung wäre das Millionenprojekt wohl nicht zu verwirklichen.

Das Gemeindeparlament hatte die Straßenbahnanbindung im Verkehrsentwicklungsplan als ein mögliches Projekt aufgeführt. 30 000 Euro hat das Parlament, das auch die Entscheidung über den Bau der Tramlinie treffen müsste, im laufenden Haushalt 2012 für Vorplanungen vorgesehen.

Untersucht werden soll in dem Gutachten, ob eine Straßenbahnanbindung nach Lohfelden realisierbar ist. Wie groß wäre der Kostenaufwand, um das Projekt umzusetzen? Auch mögliche Trassenvarianten sollen abgewogen werden.

Die Gemeinde Lohfelden hat mehrere Planungsbüros um Angebote für das Gutachten angefragt. Die Planungsgesellschaft der Kasseler Verkehrsgesellschaft, KVC, ist nicht darunter – was bei der KVG für Verwunderung sorgt. Denn dort sei viel Sachverstand in puncto Trassenplanung versammelt, sagte KVG-Sprecherin Heidi Hamdad der HNA. Die KVC plante unter anderem die Lossebahn und die Tramlinie nach Vellmar. Beim Bau der Straßenbahnlinie müssten Gemeinde Lohfelden und KVG eng zusammenarbeiten. „Wir haben grundsätzlich Interesse, das Tramnetz weiter auszubauen – falls es sich rechnet“, so die KVG-Sprecherin. Man müsse eine Kosten-Nutzen-Rechnung vornehmen, das Fahrgastpotenzial und die Finanzierbarkeit untersuchen. Auch die Gemeinde müsse finanziell ihren Beitrag leisten.

Bereits Ende der 90er-Jahre hatte es Pläne gegeben, die Straßenbahn nach Lohfelden zu verlängern. Damals gründete sich eine Bürgerinitiative (BI) von potenziellen Anwohnern der Trasse, die sich vehement gegen die Tram aussprachen. Die Tram-Pläne wurden schließlich begraben.

Der Regional Verkehrsverein Lohfelden, Nachfolger der damals gegründeten BI gegen die Tramtrasse, begleitet auch die neu aufkeimende Tram-Diskussion kritisch. Vor einer Entscheidung müsse auf jeden Fall die Bevölkerung befragt werden, lautet die Minimalforderung des Vereins.

HINTERGRUND

Von Holger Schindler

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