Datenbank gibt Auskunft über EU-Förderung

3,1 Mio. Euro an Bauern im Kreis Kassel

Zuckerrübenernte: Neben dem Verkauf der erzeugten Produkte sind für die heimischen Landwirte Agrar-Fördermittel eine wichtige Einnahmequelle. Sie machen 50 bis 60 Prozent aus. Foto: dpa

Kreis Kassel. Die Landwirte im Altkreis Kassel haben im vergangenen Jahr rund 3,1 Millionen Euro an Agrar-Förderung von der Europäischen Union erhalten. Das geht aus einer Datenbank der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hervor.

Die einzelnen Namen mit den jeweiligen Bezügen waren jahrelang geheim gehalten worden. Seit diesem Jahr müssen sie laut einer EU-Verordnung aber veröffentlicht werden.

Eine Transparenz, die nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt. „Die EU muss transparent sein, das ist schon in Ordnung“, meint Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. Jedoch stören ihn mehrere Dinge an der Auflistung. „Wieso werden Kleinerzeuger, die weniger als 1250 Euro an Subventionen bekommen, namentlich nicht genannt?“, fragt Schaumburg, der das Gut Windhausen in Niestetal betreibt.

Erich Schaumburg

Störend findet der Landwirt aber auch, dass für jeden Namen die Bezüge ersichtlich sind. „So etwas regt den Neidfaktor doch nur an. Leute gucken darauf und denken, dass ein Landwirt reich ist, wissen aber gar nicht, wie viel Land er hat oder wofür die Förderung ist“, mahnt Schaumburg und fordert eine Änderung der Datenbank. „Es ist okay, wenn eine Summe dort steht, aber ich halte es für vorteilhaft, wenn dann nur die Summe steht, die an die Landwirte in einer Gemeinde ausgezahlt wurde und nicht für jeden Einzelnen“, so der Landwirt, der gern auf die Förderung verzichten würde. „Es ist ein genereller Gedanke der Landwirte, für ihre Produkte ordentliche Preise zu bekommen und auf die Förderung zu verzichten. Dafür dürfte es aber auch keine Daumenschraube der Politik geben“, meint Schaumburg.

Aber wieso benötigen die Bauern eigentlich eine Förderung von der Europäischen Union? Das habe mehrere Gründe, erklärt Schaumburg: „Die Gesetzgebung in Deutschland macht deutlich, dass wir uns an Kriterien wie Tierschutz, Umweltschutz oder auch Gewässerschutz halten müssen.“ Zusätzlich gebe es noch Punkte, die von der EU gefordert werden, aber in anderen Teilen der Welt nicht. „Dadurch haben wir deutlich höhere Kosten, die über dem Weltmarktniveau liegen“, erklärt Schaumburg.

Ein Problem sei es auch, dass die landwirtschaftlichen Produktionskapazitäten zurückgefahren würden, denn die EU schreibt für die Förderung als Auflage auch ein sogenanntes Greening vor. „Das bedeutet, dass wir fünf Prozent unserer Fläche brach liegen lassen müssen und nichts dort angebaut werden darf. Ob das so richtig ist, wage ich zu bezweifeln“, meint Schaumburg. Die Bürokratie sei mittlerweile so hoch, dass er die Hälfte seiner Arbeitszeit im Büro mit Dokumentation verbringe. „Die Dokumentation muss aber gemacht werden, denn sonst könnte ein Teil der Förderung gestrichen werden“, klagt Schaumburg. Und das sei schmerzhaft, denn rund 50 bis 60 Prozent des Einkommens eines Landwirts seien die Agrar-Förderung. „Wir werden mittlerweile eigentlich rund um die Uhr beobachtet. Der gläserne Landwirt existiert bereits in der EU“, ärgert sich Schaumburg.

Von Max Seidenfaden 

www.agrar-fischerei-zahlungen.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.