48-Jährige arbeitet in Vollzeit

Modell in Baunataler Kinderkrippe: Trotz Behinderung mittendrin

Integriert: Gabriele Knop kümmert sich gemeinsam mit den Erzieherinnen um die Jungen und Mädchen der „Roten Gruppe“. Ein Modell der Baunataler Diakonie Kassel und der Stadt Baunatal macht es möglich. Foto: Kühling

Baunatal . Gabriele Knop ist mittendrin. Sobald die 48-Jährige den Sandkasten betritt, muss sie mitspielen. Da lassen ihr die mit Schippe, Eimer und Sieb ausgerüsteten Kinder der „Roten Gruppe“ keine Wahl. Knop ist geistig behindert.

Bis Ende des Jahres arbeitet die Baunatalerin Vollzeit mit in der Kinderkrippe Leiselfeld, ein gemeinsames Projekt der Baunataler Diakonie Kassel (BDKS) und der Stadt Baunatal.

Angefangen hat alles mit einem Praktikum in der Kinderkrippe, in der Jungen und Mädchen im Alter von zehn Monaten bis zum Ende des dritten Lebensjahres betreut werden. Gabriele Knop hatte zuvor einen Job in der Küche der BDKS. Doch diese Tätigkeit füllte sie nicht aus. „Ich wollte etwas mit Kindern zu tun haben“, sagt die Baunatalerin.

An diesem Punkt schaltete sich der Fachbereich berufliche Integration der BDKS ein. „Wir versuchen Arbeitsplätze zu finden“, erläutert Sprecher Thomas Helmstetter. „Es ist das Ziel von uns, möglichst vielen Menschen ein Qualifikation zu geben.“

Gute Erfahrungen

Mit der Kinderkrippe Leiselfeld sei man sich schnell einig gewesen, ergänzt Michael Hebebrand vom Fachbereich Berufliche Integration. Zunächst absolvierte Gabriele Knop ein längeres Praktikum. Nach guten Erfahrungen in dieser Zeit auf beiden Seiten wurde eine einjährige Beschäftigung angehängt. Die Sozialbeiträge gibt in diesem Modell die BDKS, der Lohn wird von der Stadt Baunatal gezahlt.

Kindergartenleiterin Sandra Heinze und Stellvertreterin Christina Reubert loben Knop in den höchsten Tönen. Vor allem ihre Zuverlässigkeit und das Einfühlungsvermögen bei der Arbeit mit den Kindern heben die Leiterinnen immer wieder hervor. „Gaby hat einen ganz tollen Zugang zu den Kindern“, sagt Reubert. „Auf jedes Kind geht sie gleich zu.“

Dass der Baunatalerin die neue berufliche Aufgabe gut tut, hat Leiterin Sandra Heinze zudem in deren privatem Umfeld registriert. „Sie ist aufgeblüht, seit dem sie hier ist.“

Sandra Heinze

Wichtig ist allen Beteiligten, dass Knop trotz ihrer Behinderung keine Sonderbehandlung in dem Kindergarten bekommt. Im Gegenteil, an dem Beispiel sehe man, sagt Heinze, „wie belastbar behinderte Menschen sein können“.

Sollte es nach dem einen Jahr weitergehen im Kindergarten Leiselfeld, gibt es laut Michael Hebebrand zwei Möglichkeiten. Entweder wird zunächst der befristete Vertrag in der jetzigen Form verlängert oder es schließe sich eine ganz normale Beschäftigung als Hilfskraft für die Stadt Baunatal an.

Von Sven Kühling

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