Forstamt Münden renaturiert Biotope im Kaufunger Wald – Spezialgerät im Einsatz

Das Moor kommt zurück

Abtransport: Das Kettenfahrzeug „Elliator“ bringt die von Hand gefällten Bäume aus sumpfigem Gelände auf festen Boden. Dort können die herkömmlichen Forstmaschinen die Arbeit übernehmen.

Staufenberg. Der Schlamm zieht einem fast die Gummistiefel aus, und was nach fester Grasfläche aussieht, schwankt, wenn man drauf tritt: Der Waldboden im Pfaffenstrauch bei Escherode, oberhalb des Biotops, ist richtig nass. Schwere Forstmaschinen auf Rädern kämen hier nicht weit. Und wo sie so eben noch fahren könnten, würden sie tiefe Furchen hinterlassen.

So geht das Niedersächsische Forstamt Münden neue Wege und testet auf dem sumpfigen Untergrund den „Elliator“, eine neue Rückemaschine, die auf Ketten fährt. Denn im Kaufunger Wald renaturiert die Forstverwaltung Moore, und dafür müssen die nicht standortgerechten Fichten erstmal raus – nicht so einfach, wenn man das Gelände nicht befahren kann. Das Projekt habe man erst anpacken können, nachdem Forstamtsleiter Thomas Schmidt-Langenhorst von dem neuen Kettenfahrzeug erfahren hatte, berichtet Jörg Behling, der im Forstamt Münden für den Naturschutz zuständig ist.

Ein Fahrzeug mit acht Rädern stehe nur mit einer Fläche von rund 2,24 Quadratmetern auf dem Boden, erklärt es Helmut Bauer, Vertriebsleiter der Firma EMB, die den Elliator entwickelt hat.

Durch die Kette steht die Maschine auf 15 Quadratmetern Fläche, was den Druck auf den Boden erheblich vermindert: „Das ist pro Quadratzentimeter weniger als bei mir“, sagt er und zeigt auf seine tiefen Fußspuren. Der Elliator wiegt ohne Aufbauten 24 Tonnen und kann, je nach Ausstattung, bis zu 30 Tonnen schwer werden. Trotzdem hinterlässt er kaum Abdrücke im weichen Grund.

500 Fichten gefällt

Forstwirte haben die Fichten, etwa 500 Stück, von Hand gefällt. Markus Hepe, Jens Haase und Heiko ter Fehr schneiden die Baumstümpfe noch einmal extra kurz ab, damit das Kettenfahrzeug darüber fahren kann. Außerdem legt sich Elliator-Fahrer Michael Ostendorf immer wieder Äste auf den Fahrweg, um Unebenheiten auszugleichen.

Das Rückefahrzeug packt mit dem Greifer Bäume in seine Klemmbank – die aussieht wie die Zangen eines überdimensionalen Ohrenkneifers – und transportiert sie zu festem Grund. Dort nimmt der Harvester, eine Holz-Erntemaschine, die Stämme in Empfang, entastet sie und legt sie zum Abtransport bereit.

Außer im Pfaffenstrauch wurde der Elliator auch am Breiten Weg zwischen Steinberg und Oberode eingesetzt und wird auch noch im Endschlagtal Holz abtransportieren. Revierförster Schauf ist begeistert. „Mit dem Elliator konnten wir das trockengelegte Moor endlich vom Fichtenwald befreien, ohne einen teuren Hubschrauber einzusetzen.“

Knapp 3,5 Hektar sollen wieder in den Zustand zurückversetzt werden, in dem sie vor der künstlichen Aufforstung mit Fichte waren, skizziert es Behling. Während er davon ausgeht, dass sich am Pfaffenstrauch lediglich ein Sumpf bilden wird, gibt es an den anderen Standorten gute Chancen, wieder ein echtes Moor zu erhalten.

Nach der Entwässerung wurde das Moor bei Oberode vor 50 Jahren mit Fichten bepflanzt. Sind diese entfernt, wollen Behling und Herbert Eggers von der Naturschutzbehörde im Landkreis Göttingen die alten Entwässerungsgräben schließen lassen. Auf diese Weise renaturieren die Niedersächsischen Landesforsten seit mehreren Jahren erfolgreich Waldmoore im Solling und im Nordwestdeutschen Flachland. Von den Erfahrungen, die die Forstleute in der Revierförsterei Escherode mit dem Elliator machen, sollen auch andere Regionen profitieren. Umgekehrt hatte die Forstmaschine im Altkreis Münden auch schon viele Besucher: Forstfachleute aus dem In- und Ausland wollen das Spezialfahrzeug im Einsatz sehen und pilgern in diesen Tagen dazu in den Kaufunger Wald.

Von Bettina Sangerhausen

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