Projekt zum Thema Rechtsextremismus – Vellmarer Gesamtschüler synchronisieren Film

Mordserie ist Gesprächsthema

Hinhören: Am Computer hörten sich die Schüler des Kurses „Bilingualer Englischunterricht“ die Dialoge des Films immer wieder an und schrieben sie Wort für Wort auf. Allerdings ohne sich dabei, wie auf dem Foto, über die Schulter sehen zu lassen. Nun geht es ans Übersetzen. Geleitet wird der Kurs von Sabine Kögler (Zweite von links). Foto: Schilling

Vellmar. Den Kopfhörer im Ohr, den Blick gespannt auf den Bildschirm gerichtet - so arbeiten die Schüler des Kurses „Bilingualer Englischunterricht“ der Ahnatal-Schule Vellmar (ASV) derzeit an einem besonderen Projekt. Sie übersetzen die Dialoge des Films „White Noise“, der 2003 an der Gesamtschule Fuldatal entstanden ist, in die englische Sprache. Nach den Herbstferien haben die Neuntklässler mit der Arbeit begonnen. Nun zeigt sich, dass das Thema aktueller nicht sein könnte. Der Film handelt von einem jugendlichen Rechtsradikalen, der einen Ausländer erstochen hat.

„Durch die Beschäftigung mit dem Film haben wir vom Thema Rechtsextremismus mehr mitbekommen.“

Schülerin Marie Schlieter

Natürlich diskutieren die Schüler da auch die Neonazi-Mordserie, die derzeit viele Menschen in Deutschland beschäftigt. „Es war ja vorher eher still geworden um die Rechtsradikalen. Durch die Beschäftigung mit dem Film haben wir von dem Thema mehr mitbekommen“, erklärt Marie Schlieter. Und Alina Schröer fügt hinzu: „Vorher hat mich das Thema Rechtsextremismus gar nicht so interessiert. Nun ist mir aufgefallen, dass das doch tiefer geht, als wir alle gedacht haben.“

Die Anregung, den Film zu übersetzen, kam aus Kanada. Ein dortiger Pädagogikprofessor ist über das hessische Amt für Lehrerbildung (AFL) auf den Film aufmerksam geworden und hat angefragt, ob es möglich sei, ihn für kanadische Schulen zu synchronisieren. Das AFL gab die Anfrage weiter an Geert Platner, der das Projekt „White Noise“ in dem Buch „Schule mit Courage - Rechtsextremismus als pädagogische Herausforderung“ vorgestellt hat. Er unterstützt nun Kursleiterin Sabine Kögler bei der Umsetzung der Synchronisation. Den ersten Schritt, die Dialoge Wort für Wort aufzuschreiben, haben die Neuntklässler gerade in Gruppenarbeit abgeschlossen. „Wir haben zu zweit über Kopfhörer zugehört und den Text einem Dritten aus unserer Gruppe diktiert. Der hat ihn dann aufgeschrieben“, erklärt Lars Knieschek. Nun steht die Übersetzung an. „Das macht viel Spaß. Man muss zwar eine Menge Wörter nachschlagen, aber das Thema ist sehr spannend“, sagt Franziska Deist. Bis zum Ende des Halbjahres soll der Text nach Möglichkeit komplett übersetzt sein. Dann wird der Film erst einmal mit Untertiteln versehen nach Kanada geschickt. Die Synchronisation ist für das zweite Halbjahr geplant. „Das wird sicher schwer, weil wir nicht so perfekt und schnell englisch sprechen wie im Film deutsch gesprochen wird“, sagt Lisa Freund. Neu vertont wird der Film in Zusammenarbeit mit Arne Siebling, der auch der Regisseur von „White Noise“ ist.

Das Projekt besteht jedoch nicht nur aus Übersetzen. „Eine Gruppe sucht allgemein Informationen zum Thema Rechtsextremismus heraus“, erklärt Lennart Hillmer. Andere Schüler erstellen Plakate. Geplant ist auch, eine kurze Einführung für den Film zu machen, um den kanadischen Schülern die Hintergründe zu erklären. Eine Menge Arbeit, aber die Schüler sind engagiert dabei. „Das ist mal etwas ganz Neues, eine gute Erfahrung“, sagt Charon Ott.

Von Meike Schilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.