Krankheit Multiple Sklerose 

MS-Betroffene in Fuldabrück: Sie plaudern, statt zu jammern

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Sind Nachbarn und Freunde: Uwe Glake und Bernd Griesel sind beide an Multiple Sklerose erkrankt und treffen sich regelmäßig in einer Gruppe zum Austausch.

Fuldabrück. Als Uwe Glake aus Dennhausen vor knapp 20 Jahren die Diagnose MS (Multiple Sklerose) bekam, warf ihn das völlig aus der Bahn.

„Ich war gerade dabei, eine Weiterbildung zum technischen Betriebswirt in der Abendschule zu machen, wollte dann aber alles hinschmeißen“, erinnert sich der heute 61-Jährige an die schwere Zeit. Schwer hat er heute natürlich auch noch – die Krankheit ist weiter fortgeschritten, Autofahren, Radtouren und sogar einfaches Gehen funktionieren nicht mehr.

Durch diese Zeit hindurch hilft Glake neben seiner Ehefrau auch der Kontakt mit anderen Betroffenen. Diese trifft er jeden ersten Dienstag im Monat in der MS-Selbsthilfegruppe Fuldabrück zum lockeren Gespräch. Glake organisiert die Treffen seit zehn Jahren.

Den Verdacht, dass in einer Selbsthilfegruppe nur über Krankheit und Probleme gesprochen wird, wischt er sofort weg. „Wir plaudern einfach nett, essen und trinken etwas und die Partner der Betroffenen sind meist auch dabei“, sagt Glake. Die Beziehung der einzelnen Gruppenmitglieder geht deshalb auch oft über Bekanntheit hinaus. „Wir haben eher ein freundschaftliches Verhältnis miteinander.“

Wer sich einmal angemeldet hat, steht auch nicht in der Pflicht, an den Treffen teilzunehmen. „Wir sind kein Verein, es gibt keinen Mitgliedsbeitrag oder Ähnliches. Wer Lust hat, kommt eben, wem die Treffen gerade nicht passen, der bleibt zu Hause.“

Je nach Verlauf und aktueller Schwere der Krankheit sei das gerade bei MS-Patienten auch nichts Ungewöhnliches. „Man fühlt sich mal schlechter und mal besser, jeder Tag ist anders.“ Glake muss sich zum Beispiel alle drei Monate einer Kortisonstoßtherapie unterziehen. „Die darauffolgende Woche kann ich nichts planen, weil ich nicht weiß, wie es mir dann geht.“

Zu seiner MS-Gruppe gehören etwa zehn Personen im Alter von 30 bis 75 Jahren. „Es gibt aber viel mehr Betroffene. Alleine in der Gemeinde Fuldabrück weiß ich von weiteren MS-Patienten“, sagt Glake. Er wünscht sich, dass mehr von ihnen zu den Treffen kommen.

Einschätzung von Anderen

Glakes Nachbar und Freund Bernd Griesel ist ebenfalls an MS erkrankt und Mitglied der Selbsthilfegruppe. Der 62-Jährige schätzt an den Treffen vor allem, den Blick und die Einschätzung anderer Betroffener. „Man erfährt außerdem viel mehr zum Beispiel über Anträge bei Ämtern. Manchmal kommt erst in den Gesprächen mit anderen die zündende Idee“, sagt Griesel, der früher bei VW in der Qualitätssicherung gearbeitet hat und seinen Job aufgrund der Krankheit aufgeben musste. „Wir ergänzen uns alle sehr gut.“

Info für Betroffene: Die MS-Gruppe ist für jeden offen, auch außerhalb Fuldabrücks, Die Treffen finden jeden ersten Dienstag im Monat im Bürgerhaus Kupferkanne in Dennhausen/Dittershausen statt. Der Zutritt ist barrierefrei. Ansprechpartner für Informationen und Erstkontakt ist Uwe Glake, Tel. 05 61/9 41 37 61.

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