Müll-Abfuhr im Kreis Kassel wird 2012 billiger

Kreis Kassel. Der Landkreis Kassel will die Müllgebühren zum Jahreswechsel senken. Wie stark die Reduzierung ausfallen wird, ist noch offen. Klar ist, dass die Bürger ab 1. Januar 2012 um mindestens fünf Prozent entlastet werden sollen.

Sie müssten dann statt 200,40 Euro nur noch 190,40 Euro pro Jahr für die gebräuchliche 80-Liter-Restmülltonne zahlen.

„Wir haben ein hervorragendes Jahresergebnis 2010 erzielt; ich freue mich, dass wir die Abfallgebühren für die Bürger senken können“, sagte Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) am Mittwoch der HNA. Die Kalkulation sei noch nicht abgeschlossen, aber „eine Verringerung um fünf Prozent ist auf jeden Fall möglich“, sagte die Abfalldezernentin. Der Kreisausschuss hat sich am Dienstag mit dem Wirtschaftsabschluss des Eigenbetriebs Abfallentsorgung befasst und schlägt dem Kreistag nun die Gebührensenkung vor. Der Kreistag wird in seiner November-Sitzung darüber entscheiden.

Die CDU-Fraktion hatte bereits vor einem Jahr eine Reduzierung der Müllgebühren verlangt. Die Verwaltung hatte dies mit Hinweis auf Unsicherheiten beim Papierpreis und steigende Kosten für Personal und Energie zurückgewiesen. Dass die Gebührensenkung nun möglich sei, liege einerseits an den gesunkenen Kosten für die Abfallbehandlung und andererseits an den guten Erlösen etwa beim Altpapier, sagte Selbert.

Der Kreis Kassel lässt die jährlich anfallenden 38.000 Tonnen Restabfall in der mechanischen Abfallanlage in Weidenhausen (Werra-Meißner-Kreis) aufbereiten und anschließend im Heizkraftwerk der Papierfabrik in Witzenhausen verbrennen. Für die Entsorgung muss der Kreis 85,80 Euro pro Tonne Restabfall (inklusive Transportkosten) zahlen. „Das ist ein Top-Preis“, sagte Selbert, er gelte bis Ende 2017 und gebe dem Abfallbetrieb Planungssicherheit. Der Preis wurde bei einer europaweiten Neuausschreibung erzielt und senkt dem Kreis die Kosten jetzt jährlich um 1,7 Mio. Euro. Beim Altpapier hat der Eigenbetrieb 2010 einen Überschuss von 1,9 Mio. Euro erzielt, berichtete Betriebsleiter Uwe Pietsch. Im Jahr 2010 hat der Eigenbetrieb bei einem Umsatz von 24,4 Mio. Euro einen Jahresgewinn von 3,8 Mio. Euro erwirtschaftet. Bis auf eine Reserve wolle man dies an die Bürger zurückgeben, sagte Selbert. Positiv habe sich auch der Kauf der Kompostanlagen in Lohfelden-Vollmarshausen und Fuldatal-Rothwesten ausgewirkt. Allein durch diese Investition senke der Kreis jährlich die Kosten um eine Million Euro. Es sei gelungen, die Müllgebühren seit 2005 stabil zu halten, obwohl die Leistungen verbessert wurden. So werde etwa Baum- und Strauchschnitt kostenlos entgegen genommen.

HINTERGRUND

Die Abfallentsorgung im Landkreis Kassel ist sehr günstig. Die am weitesten verbreitete 80-Liter-Restmülltonne (14-tägliche Leerung) kostet jetzt 200,40 Euro pro Jahr, ab Januar 2012 sollen die Kosten auf 190,40 Euro oder noch weiter sinken. In dieser Gebühr ist die komplette Entsorgung von Restmüll, Bioabfall, Altpapier, Sperrmüll, Sonderabfällen und Elektrogeräten enthalten. Zum Vergleich: In Kassel kostet die 80-Liter-Restmülltonne 220,80 Euro, hinzu kommen 80 Euro für die Biotonne – das macht zusammen 300,80 Euro pro Jahr. (hog)

KOMMENTAR

Die 114.000 Familien und Einzelpersonen, die im Landkreis Kassel täglich für jede Menge Müll sorgen, dürfen sich freuen: Die Gebühren sinken, und das bei verbesserten Leistungen. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, mussten die Einwohner Kassels erfahren: Ihre Müllgebühren wurden 2010 auf einen Schlag um 50 Prozent erhöht. Der Abfallmarkt unterliegt starken Schwankungen. Mal sinken die Papierpreise, mal steigen die Altmetall-Erlöse. In diesem schwierigen Umfeld haben die Abfallentsorger im Landkreis Kassel hervorragend gearbeitet. Ein dickes Lob für die Entsorger, vom Müllfahrer über die Angestellten bis zum Betriebsleiter. Natürlich ist ihr Erfolg nicht nur auf dem eigenen Mist gewachsen, das Glück der Tüchtigen trug auch dazu bei. So hat der Landkreis vom günstigen Umfeld profitiert. Bei der Ausschreibung der Abfallverwertung im Jahr 2008 gab es Überkapazitäten durch den Neubau mehrerer Müllverwertungsanlagen in der Region. Der Kreis konnte sich in einem langfristigen Vertrag die Müllverwertung für die Hälfte des früheren Preises sichern. Das kommt nun den Kreisbewohnern zugute. In Kassel war es seinerzeit umgekehrt. Die Stadt musste ihre Müllverbrennungsanlage wegen verschärfter Umweltauflagen aufwendig modernisieren. Um die Öfen auszulasten, wurden Verträge geschlossen, die nicht einmal die Kosten decken. Die Kasseler Bürger zahlen die Zeche.

Rubriklistenbild: © dpa

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