Sandershausen: Flüsschen wird renaturiert – Niestetal investiert eine Million Euro in den Hochwasserschutz

Mulde und Wall gegen wilde Nieste

Normalerweise friedlich: Die Nieste kann aber auch bedrohlich anschwellen - so zuletzt im Juni dieses Jahres. Foto: Ketteritzsch

Niestetal. Normalerweise plätschert die Nieste träge vor sich hin. Dass das Flüsschen, das im Kaufunger Wald bei Großalmerode entspringt, auch anders kann, erfuhren die Menschen in Niestetal Anfang Juni.

Nach heftigen Regenfällen schwoll die Nieste an und drohte in Heiligenrode, vor allem aber in Sandershausen über die Ufer zu treten. Nur mithilfe neuer Sperren, die die Feuerwehr schnell errichtete, konnte eine Überflutung verhindert werden. Um in Sandershausen künftig besser gegen böse Überraschungen gewappnet zu sein, baut die Gemeinde den Hochwasserschutz für knapp eine Million Euro aus.

Das Konzept besteht aus zwei Bausteinen: So soll auf den bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen dem Rathaus und der Nieste eine Flutmulde angelegt werden. Tritt das Flüsschen über die Ufer, können die Wiesen kontrolliert geflutet werden. „Auf diese Weise kann Niestewasser in großen Mengen zurückgehalten werden, ohne Schäden anzurichten“, erläutert Verwaltungssprecher Dennis Bachmann.

Das Wasser wird also gewissermaßen in der Mulde zwischengespeichert - die neuralgischen Punkte in Sandershausen werden dadurch entlastet.

Zwischen der Autobahnbrücke und dem Naturerlebnisbad an der Wichtelbrunnenstraße wird die Nieste naturnah umgestaltet. „Sie erhält ihr ursprüngliches Flussbett zurück“, sagt Bachmann. Mit dem Projekt werden Eingriffe in die Natur bei der Erschließung des Gewerbegebiets Sandershäuser Berg ausgeglichen.

Am Ufer der Nieste, die nach der Renaturierung deutlich breiter sein wird als heute, wird Schilf wachsen. Insgesamt soll die Flutmulde den Plänen zufolge üppig bepflanzt werden. Der zweite Baustein neben der Flutmulde ist ein Wall, der nördlich der Heiligenröder Straße zwischen dem Mehrzweckplatz unter der Autobahnbrücke und der Einfahrt zu den Sportplätzen entsteht.

Der Deich - er wird 70 Zentimeter hoch sein - soll verhindern, dass das Wasser aus der Mulde die Heiligenröder Straße überflutet. Der Deich soll das Gemeindezentrum mit Rathaus, Mehrzweckhalle und Bücherei sowie die Feuerwache und die Rettungsstation schützen.

Zehn Wochen Bauzeit

Laut Rathaussprecher Bachmann wird der Wall in Teilen aus beweglichen Sperren bestehen, die erst bei drohendem Hochwasser aufgestellt werden, so etwa an dem Mehrzweckplatz, an den Zufahrten zu den Parkplätzen des Naturerlebnisbades und zu den Sportplätzen sowie entlang des Bereichs Auf der Insel.

Die Bauarbeiten für den Hochwasserschutz werden noch in diesem Jahr beginnen. Bachmann: „Wir rechnen mit einer Bauzeit von zehn Wochen.“ Einen milden Winter vorausgesetzt, werden Nieste-Renaturierung und Bau des Schutzwalls im Frühjahr 2014 abgeschlossen sein.

HINTERGRUND

Von Peter Ketteritzsch

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