"Keine Mängel am Wassereinlass"

Nach Flut in Kaufungen: Hessen Mobil und Gemeinde kommen nicht für Schäden auf

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Verhängnisvolle Talmulde: Hier stauten sich am 3. Januar die Wassermassen. Links oben ist die B 7, in der Bildmitte der mit Flatterband gesicherte Wassereinlass zu sehen. Der B 7-Straßenwall wirkte wie ein Staudamm.

Kaufungen. Zwei Wochen nach der Flut in Kaufungen geben Gemeinde und Hessen Mobil eine gemeinsame Erklärung ab.

Über zwei Wochen nach der schweren Überschwemmung am Dautenbach in Oberkaufungen sind sich die Gemeinde Kaufungen wie auch Hessen Mobil darüber einig geworden, wie die Ursachen der Flut am Mittwoch, 3. Januar, zu bewerten sind. Zu der Welle war es wegen eines verstopften Wasserdurchlasses an der B 7 gekommen. Sie hatte erhebliche Schäden an und in Häusern, an Autos und in Gärten angerichtet.

Grundsätzlich habe es sich um ein nicht vorhersehbares Unwetterereignis gehandelt, stellen Hessen Mobil und die Gemeinde Kaufungen fest. Zudem sehen beide Seiten nach derzeitigem Stand der Ursachenermittlung „keine Hinweise auf Mängel im Rahmen der Unterhaltung des Gewässers durch die Gemeinde beziehungsweise der Rohrleitung durch Hessen Mobil“.

Visuelle Kontrolle

Der Rohrdurchlass, der den Straßendamm der B 7 durchquert, sei von Hessen Mobil im Rahmen der Streckenkontrolle visuell kontrolliert und bei Bedarf gereinigt worden. Entsprechendes gelte auch für den Gitterrost des im Gewässerbett vorgeschalteten Einlaufschachtes.

„Schadensereignisse nach bestem menschlichen Ermessen verhindern“: Seit über zwei Wochen ist der Wassereinlass an der B7 lediglich mit einem locker aufgelegten Bauzaun gesichert.

Am 3. Januar war eben jener Gitterrost offenbar von Treibgut verstopft worden, woraufhin sich erhebliche Mengen Wasser zu einem See angestaut hatten, bis der Rost unter der Last des Wasserdrucks brach und sich die Fluten ungehindert zunächst durch die Rohrleitung unter der B 7 und dann in das Bett des Dautenbachs in nicht mehr kontrollierbarer Menge ergossen. Wichtige Feststellung von Hessen Mobil: Die Reinigung des Gitterrostes sowie des Rohrdurchlasses wurde letztmalig am 14. November dokumentiert. Mit anderen Worten: Hessen Mobil geht davon aus, dass der Gitterrost erst in Folge des Gewitters am 3. Januar verstopfte und nicht schon zuvor verstopft war. Anwohner sehen das allerdings anders: Schon oft sei der Zustand des Wassereinlaufs an der B 7 bemängelt worden.

Elementarschäden

Für die geschädigten Kaufunger heißt das nun, dass weder die Gemeinde noch Hessen Mobil sich in der Pflicht sehen, für Schäden aufzukommen, weil aus ihrer Sicht kein Versagen nachgewiesen werden kann. Anwohner bleibt somit zunächst nichts anderes übrig, als Schäden gegenüber ihren Versicherungen als Elementarschäden anzugeben (Schäden durch Sturm, Hagel, Überschwemmung, etc). Das Problem dabei ist aber: Wohngebäude- und Hausratsversicherungen decken in der Regel keine Elementarschäden ab.

„Diese Versicherungen müssen vertraglich jeweils um eine entsprechende Elementarschaden-Deckung erweitert worden sein“, sagt Andreas Lutz, Sprecher des Bundesverbandes der Versicherungskaufleute. Bei Autos sei das einfacher: Hier genügt meist schon eine Teilkaskoversicherung, um gegen Flutschäden versichert zu sein. Die Gemeinde und Hessen Mobil wollen nun darüber beraten, wie durch bauliche Maßnahmen am Wassereinlass künftige Schadensereignisse – auch im Falle höherer Gewalt – nach bestem menschlichen Ermessen verhindert werden können.

Der Wassereinlauf an der B 7 ist derweil seit über zwei Wochen lediglich mit einem aufgelegten Bauzaun gesichert. Er liegt locker auf dem Schachteinlass – gesichert nur mit einer Kette.

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