Nach Raubüberfällen in Baunatal: Mittäter belastet Angeklagten

Baunatal. „Ich würde nie einer alten Frau die Handtasche wegreißen - niemals“, beteuerte der 22-jährige Angeklagte. Auch mit dem Raubüberfall auf einen 54-Jährigen in der Birkenallee in Baunatal habe er nichts zu tun.

„Vielleicht will er jemanden decken“, antwortete er auf die Frage von Richterin Schiborr, warum sein vermeintlicher Mittäter ihn derart belaste.

Seit Donnerstag muss sich der 22-Jährige vor dem Amtsgericht Kassel verantworten. Sein Kumpel, jetzt zum Hauptbelastungszeugen wurde, war im Januar zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Die 91-Jährige, der die zwei laut Anklage im August in Baunatal die Handtasche entreißen wollten, war zum Prozessauftakt nicht geladen. Der zweite Geschädigte hatte sich krank gemeldet. Als sein Mittäter vorgab, sich nicht mehr erinnern zu können, schärfte Richterin Schiborr im ein: „Sie sind unser wichtigster Zeuge.“

Auf viele Fragen von Richterin, Staatsanwalt und Verteidiger gab der 23-Jährige nur einsilbige Antworten. Selten kamen ihm zusammenhängende Sätze über die Lippen - und dann meist als unverständliches Gemurmel. Das, was er aussagte, belastete jedoch den Angeklagten schwer: Diesen kenne er flüchtig über seinen damaligen Mitbewohner. Er habe ihn zufällig an jenem Tag getroffen und sie hätten beide kein Geld gehabt - wollten aber Drogen konsumieren. Der 22-Jährige sei dann auf die Idee gekommen, einer Frau die Handtasche zu entreißen. Von der Beute hätten sie Marihuana kaufen wollen.

„Ein gutes Opfer“, habe er gesagt, als sie nach beschlossenem Plan durch Altenbauna streiften und ihnen auf der Birkenallee die 91-Jährige entgegen kam. Als er an ihrer Handtasche zerrte, ging die alte Dame zu Boden und verletzte sich. Der Angriff misslang, die Tasche habe er nicht an sich bringen können. Auf der Flucht hätten sich er und der Angeklagte getrennt.

Wenige Tage später hatten sie am selben Tatort mehr Erfolg: „Der war betrunken“, schilderte der Zeuge, warum sie den 54-Jährigen ausgespäht hatten. Der Angeklagte habe den Mann in ein Gebüsch geschubst, gewaltsam hätten sie ihm dann das Portemonnaie aus der Hosentasche gezogen. 50 Euro hatte der Mann bei sich. „Davon haben wir Drogen gekauft.“

Beide Opfer hatten ihre Peiniger nicht erkennen können - attackiert hatten die Täter immer von hinten und dabei Kapuzen getragen. „Mir ist der eine damals entgegengekommen“, berichtete die einzige Zeugin, die den versuchten Handtaschenraub beobachtet hatte. Der Mann sei zunächst ganz normal gegangen, dann habe er plötzlich die Kapuze seines Pullovers über den Kopf gestreift und sei gerannt.

„Intuitiv wusste ich, gleich passiert was.“ Diesen Mann identifizierte sie eindeutig - es war der geständige Täter. Erst, nachdem die alte Frau schon am Boden lag, habe sie einen zweiten Mann bemerkt, der ebenfalls flüchtete. Nur könne sie nicht sicher sagen, dass das der Angeklagte war. „Einzig seine weißen Schuhsohlen sind mir aufgefallen.“

Der Prozess wird am 24. Mai fortgesetzt.

Von Carsten Albert

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