Ehemalige Konfirmanden erinnerten sich an ihre Jugendzeit in Oberkaufungen

Nach Reli-Stunde aufs Feld

Ehemalige Konfirmanden posieren fürs Gruppenbild: Erinnerungen an die Jugendzeit wurden bei den Teilnehmern des Konfirmandentreffens in Kaufungen wach, auch bei den ältesten, Elise Berthel und Gerhard Winter (im Vordergrund) Foto: Dilling

Kaufungen. Für Elise Berthel, Anna Himmelmann und Gerhard Winter fing als Jugendliche der Ernst des Lebens schon früh an. Berthel musste als älteste Tochter ihrer Familie schon früh auf dem elterlichen Hof aushelfen. „Ich habe Schweine gehütet und das Feld mit vorgespannten Pferden geackert“, erzählt die inzwischen 89-jährige Elise Berthel.

Der ein Jahr ältere Gerhard Winter lernte nach seiner Konfirmation Bäcker, musste bald darauf den Backtrog mit dem Gewehr vertauschen. Er wurde eingezogen, kämpfte als Soldat im Zweiten Weltkrieg, geriet in Afrika in Gefangenschaft. Anna Himmelmann musste nach ihrer Konfirmation schon als 14-Jährige in einer kinderreichen Familie helfen. „Pflichtjahr“ nannte das das Nazi-Regime.

Berthel und Himmelmann, 1938 konfirmiert, sowie Winter, 1943 konfirmiert, gehörten zu den Oberkaufungern, die am Wochenende in der Stiftskirche Kronjuwelen- und Gnadenkonfirmation feierten. Rund 60 Jubilare feierten am Sonntag mit Pfarrer Johannes Barth Gottesdienst, darunter auch Eiserne (1948 konfirmiert) und Diamantene Konfirmanden (1953 konfirmiert). Sie alle hätten eine Jugend in unruhigen Zeiten und mit Entbehrungen erlebt, sagte Barth in seiner Predigt. Da habe vielen nur der Schirm geholfen, den der Glaube an Gott biete. Acht ihrer Schulkameraden seien im Krieg gefallen, erzählt Elise Berthel.

Anna Himmelmann erlebte den Krieg während des damals sehr strengen Konfirmationsunterrichts hautnah mit. Die Bomber seien direkt über Kaufungen eingeflogen. „Wir sind immer in den Keller gelaufen“, sagt sie. Trotz der zunehmenden Kriegsnot seien zur Konfirmation 1943 schwarze Kostüme angesagt gewesen. „Die wurden aus Stoffresten zusammengeflickt“, erzählt Himmelmann. Das habe eine Schneiderin erledigt, die im Haus ihrer Eltern wohnte. Gerhard Winter hat die Konfirmation in Kaufungen nicht erlebt.

Er stammt aus Schlesien. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft verschlug es ihn nach Nordhessen. Da habe er auf Werkzeugmacher umgesattelt, erzählt der 90-Jährige.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.