Nach tödlicher Tierquälerei: Kriminologe Christian Pfeiffer über Gewalt

Kassel/Lohfelden. Tödlich endete eine Tierquäler-Attacke am Freitag in Lohfelden für zwei Enten. Eine Gruppe Jugendlicher benutzte die beiden Tiere als Fußball. Über Gewalt und deren Ursachen sprachen wir mit dem Kriminologen Chrisitan Pfeiffer.

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Die jungen Täter waren mutmaßlich Russlanddeutsche, hatten Zeugen der Polizei gesagt. Sind junge Russlanddeutsche gewalttätiger als einheimische Deutsche? Offizielle Statistiken bei der Polizei gibt es darüber nicht. Der Grund: Die jungen Russlanddeutschen sind deutsche Staatsbürger - sie werden in der Kriminalitätsstatistik nicht gesondert geführt.

Nähere Auskünfte geben aber wissenschaftliche Untersuchungen. Die aktuellste und größte stammt vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Bundesweit wurden 45 000 Jugendliche befragt, darunter 1500 Russlanddeutsche. Das Ergebnis, so Institutschef Christian Pfeiffer am Dienstag zur HNA: „Die Gewalt bei jugendlichen Russlanddeutschen ist doppelt so hoch wie bei ihren einheimischen Altersgenossen.“

Das ist eigentlich schon ein Erfolg: Denn ausweislich einer Untersuchung von 1998 ist sie bis heute damit deutlich zurückgegangen - damals war die Gewalt bei jungen Russlanddeutschen noch drei Mal so hoch wie bei vergleichbaren Einheimischen.

Und: 1998 betrug der Anteil der jungen Russlanddeutschen in den Gefängnissen zwölf Prozent, heute liegt er laut Pfeiffer bei fünf Prozent. Christian Pfeiffer: „Nach wie vor ist also die Gewalt bei Russlanddeutschen deutlich höher als bei einheimischen Deutschen. Aber es ist besser geworden.“

Drei Ursachen sieht der Hannoveraner Kriminologe für die hohe Gewaltbereitschaft: 1. Die große Gewalt in den russlanddeutschen Familien. 2. Der immense Alkoholkonsum. Peiffer: „Es gibt keine Gruppe, in der mehr Alkohol getrunken wird als bei den Russlanddeutschen.“ 3. Der exzessive Konsum von brutalen Computerspielen bei den Jugendlichen. Und noch eines hat Christian Pfeiffer festgestellt: Je höher die Bildung, desto geringer die Gewaltbereitschaft.

Von Frank Thonicke

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