Nach tödlicher Fuchsräude: Mit Spürhund auf Luchssuche

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Insgesamt acht Mal tappte im November der Luchs in der Söhre wie auch im Kaufunger Wald in eine Fotofalle. Das Bild hier entstand vor etwa drei Wochen in der Nähe von Eschenstruth.

Kreis Kassel. Seit zwei Jahren erfassen Wissenschaftler der Uni Göttingen den Bestand einer Gruppe von Luchsen in Nordhessen – zuletzt im November mit Fotofallen an 13 Standorten in der Söhre und im Kaufunger Wald.

Waren zum Jahreswechsel 2014/15 noch sechs Luchse in der Region nachgewiesen worden, war ihr Bestand im Frühjahr 2016 auf höchstens noch drei Tiere zusammengeschrumpft. Als mögliche Ursache für den Rückgang vermuten die Göttinger Forscher die Fuchsräude – eine gefährliche und meist tödliche parasitäre Hauterkrankung.

„Jetzt im Winter wollen wir untersuchen, ob sich der Luchs-Bestand wieder erholt hat“, sagt Luchs-Forscher Markus Port vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie mit Sitz in Göttingen. Neu dabei ist: Erstmals soll auch ein Spürhund eingesetzt werden. „Der Hund ist darauf trainiert, Luchs-Kot im Gelände aufzuspüren“, sagt Port.

Kotproben ermöglichten es den Wissenschaftlern, ein genetisches Profil der Tiere zu erstellen. „So können wir beispielsweise noch genauer sagen, wo die Luchse herkommen und wie der Verwandtschaftsgrad der Tiere in unserer Population ist“, ergänzt Antje Henkelmann. Die Forstwissenschaftlerin ist seit November 2016 Projektmitarbeiterin und untersucht die Bestandsentwicklung der Luchse in ganz Nordhessen.

„Natürlich setzen wir für unsere Forschungen auch weiterhin Fotofallen ein“, sagt Port. So sollen die Fotofallen in der Söhre sowie im Kaufunger Wald noch bis Ende März Bilder liefern. Allein im November seien die Fotofallen im Untersuchungsgebiet acht Mal durch Luchse ausgelöst worden. „Da sich Luchse anhand ihrer individuellen Fellzeichnung voneinander unterscheiden, können die Fotos einzelnen Tieren genau zugeordnet werden“, sagt Port.

Die allerersten Tiere der nordhessischen Teilpopulation seien sehr wahrscheinlich aus dem Harz nach Nordhessen gekommen. Zwischen 2000 und 2006 waren im Nationalpark Harz insgesamt 24 Luchse ausgewildert worden.

„Wir hoffen nun, dass sich das Luchsvorkommen auch in der Söhre und im Kaufunger Wald durch erneute Zuwanderung erholt“, sagt Thomas Norgall vom Arbeitskreis Hessenluchs, der den Bestand des Luchses in Hessen erfasst. „Ein stabiles Luchsvorkommen in Hessen ist von großer Bedeutung für die erfolgreiche Ausbreitung der Art in Deutschland.“ Mit ersten Ergebnissen hinsichtlich des Spürhund-Einsatzes ist Mitte Februar zu rechnen, die Bilder aus den Fotofallen werden alle vier Wochen ausgelesen und anschließend ausgewertet.

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