HNA-Mitarbeiterin war bei Kurs der Wanderschule dabei

Überlebenstraining im Nieste-Tal: Nach der Tortur eine frische Forelle

Nieste. Meine Füße zittern und drohen auf dem dünnen Stahlseil abzurutschen. Auch die zwei Seile über mir, an denen ich mich festhalte, wackeln wie verrückt. Nach der kalten Nacht im Freien wären nasse Füße jetzt das Letzte, was ich gebrauchen könnte.

Doppelter Seilstieg nennt sich die Technik, die der Leiter des Seminars „Leben und Überleben in freier Natur“ Günter Wolter von der Wanderschule Nieste, unserer Truppe zeigt, damit wir trocken über die Nieste kommen.

Wolter war früher Fallschirmjäger bei der Bundeswehr und ist jetzt selbstständiger Sicherheitsberater. Die anderen acht Überlebenswilligen und ich vertrauen dem großen, breitschultrigen Mann mit dem Teddybär-Gesicht blind, denn er strahlt zu jedem Zeitpunkt Ruhe und Gelassenheit aus. Am Tag zuvor saßen wir nach einem kurzen Marsch zu unserem Lager auf dem Gelände „Zur Steinbach“ noch alle zusammen hochmotiviert am Lagerfeuer und haben uns die frisch gefangenen Forellen schmecken lassen. Aber nach einer Nacht mit wenig Schlaf und Wache am Lagerfeuer sind manche aus unserer Truppe schon ziemlich geschafft. Vor allem ich.

Auch Martin Weißhand, der die Teilnahme am Überlebenstraining geschenkt bekommen hat, kriegt kaum noch die Beine hoch. Die frische Luft und die Anstrengungen der letzten 24 Stunden haben dem Mann mit der Brille die Röte auf die Wangen getrieben.

Abendessen: Stanislaw Podrich (von links), Eberhard Pietsch und Martin Weißhand braten einen frischen Fisch.

„Ich bin so müde“, sagt er mir während des Marschs zum Ufer der Nieste. Wie ich hat auch Weißhand in der vorigen Nacht kaum ein Auge zugetan. Im normalen Leben ist der 40-Jährige Verkehrsplaner und eher am Schreibtisch anzutreffen als in der freien Natur.

Nach einer Nacht im Freien, einem Marsch, bei dem wir uns mittels Karte und Kompass orientieren mussten, und der Wasserüberquerung ist für mich das Abenteuer schon vorzeitig vorbei, worüber ich nicht ganz unglücklich bin. Ich freue mich auf eine warme Dusche und mein Bett.

Die anderen erzählen mir später bei der Abschlussbesprechung des Überlebenstrainings, dass am zweiten Abend bei der sonst so aufgeweckten Truppe nur noch Stille geherrscht habe, weil auch die Leistungsfähigsten an ihre Grenzen gekommen seien. Aber auch die nächste Nacht in der freien Natur haben zum Glück alle überlebt.

Gerettet hat die Stimmung am Ende auch ein Kaninchen - über dem offenen Feuer gebraten.

Von Theresa Ziemann

Rubriklistenbild: © Malmus

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.