Nach Frostperiode beginnen jetzt die Pflegearbeiten

Vellmarer Ahnepark erwacht langsam zum Leben

+
Knorrige Stämme: Noch fehlt dem Ahnepark nach der langen Frostperiode die bunte Vielfalt, aber die Pflegearbeiten haben schon begonnen.

Vellmar. Die harte Frostperiode geht zu Ende und der Vellmarer Ahnepark erwacht langsam zum Leben. Um etwa zwei bis drei Wochen hat sich der Beginn der Pflegearbeiten verzögert, sagt Gärtnermeister Hartmut Sieck, der beim Bauhof für den Park zuständig ist, der regelmäßig von zwei Mitarbeitern betreut wird.

Damit zur schillernden Vielfalt der Arten auch das Umfeld passt, beginnen die Bauhofmitarbeiter nach Auskunft von Sieck jetzt mit der Pflege des rund zehn Hektar großen Parks. Die Wiesen werden vom Restlaub entfernt, der Rasen wird organisch gedüngt, die Gehölze werden zurückgeschnitten und ein Teil der Beete neu bepflanzt.

Hartmut Sieck

Und sobald die Sonnenperioden zunehmen, werden im Park auch die 25.000 Narzissen, 20.000 Anemonen in den Farben Blau und Weiß, 10.000 Tulpen und 15.000 Krokusse blühen. Der Großteil der Blumenzwiebeln liegt schon seit 20 Jahren in der Erde.

Neben den zahlreichen Pflanzen kann sich auch die vielfältige Tierwelt sehen lassen, die in der Region ihresgleichen sucht. Zu den Exoten im Ahnepark zählen laut Sieck die etwa acht, eigentlich in Amerika heimischen Rotwangenschildkröten, die vor zehn Jahren von Unbekannten im Ahnepark ausgesetzt wurden. Die scheuen Tiere sind am besten im Sommer zu entdecken, wenn sie sich auf warmen Steinen sonnen.

Ausgesetzte Goldfische

„Aber die gehören eigentlich nicht hierher“, sagt Sieck. Besser passen würde die Europäische Sumpfschildkröte, die aber unter Artenschutz stehe und kaum zu haben sei. Ausgesetzt wurde auch die Mandarinente, die sich ebenfalls längst an die klimatischen Verhältnisse gewöhnt hat.

Nichts zu suchen im Park haben eigentlich auch die rund 500 Goldfische, die ihren Besitzern im Gartenteich zu groß geworden waren und deswegen ebenfalls in den Teichen des Ahneparks landeten. Zur Freude der Graureiher, die so schnell an Futter herankommen.

Graugänse brüten

Seit fünf Jahren brüten im Park auch regelmäßig Graugänse, von zehn Tieren zurzeit zwei. Besonders stolz ist man beim Bauhof auf den Eisvogel, der sich immer wieder mal im Park sehen lässt, und die Baumläufer und Kleiber, die sich in morschen Baumstämmen ansiedeln, die bewusst stehen gelassen werden, solange sie nicht die Verkehrssicherheit gefährden. Auch ein Buntspecht lebt im Park.

Gern gesehener Gast: An morschen Baumstämmen ist im Park auch der Baumläufer zu finden.

Die Gewässer werden besiedelt von Teich- und Blesshühnern, dazu kommen Hauben- und Zwergtaucher, die während des Vogelzuges durch die Region ziehen.

Unangenehme Begleiterscheinungen sind Ratten, die durch Abfälle nach der - verbotenen - Fütterung der Enten angelockt werden, und zahlreiche Kaninchen, die die Rosengewächse benagen.

Gegen die Rattenpopulation hat die Stadt Vellmar 16 Stationen mit vergifteten Ködern direkt im Park aufgestellt, acht weitere im Bereich vom Festplatz bis zur Parkstraße. Die Kaninchen werden vom Jagdpächter per Abschuss dezimiert, erläuterte Wolfhard Eidenmüller von der Verwaltung. 

Von Stefan Wewetzer

Hintergrund: Park kostete 2,6 Millionen Euro

Bis ins Jahr 1978 gingen die Planungen für den Ahnepark zurück, der schließlich am 21. Juni 1986 eröffnet wurde. Erst war die Rede von einer reinen Freizeitanlage, sogar vom Bau eines Stadions wurde gesprochen. Später gewann das landschaftsgestalterische Element die Oberhand.

5,2 Millionen Mark (ca. 2,6 Millionen Euro) - ohne das Café - wurden in die Landschaftsgestaltung investiert. Der Park erhielt einen Kinderspielplatz, ein Basketballfeld, Platz für eine Bühne und eine große Wiese für Veranstaltungen. Dazu kam das Ahneparkcafé, das aus einem Pavillon der Bundesgartenschau 1981 in Kassel hervorging. Später wurde noch die Ahneparkbahn angelegt. (swe)

Stichwort: Pflegekonzept in der Kritik

Kritik an der gängigen, aufwendigen Pflegepraxis des Grüns gerade im Ahnepark wurde jüngst von Landschaftsarchitekt Hans-Friedrich Werner geübt. Der hatte die Freizeitanlage vor 27 Jahren maßgeblich mitgeplant.

Er forderte neue Konzepte zur Einsparung von Geld. Er plädierte dafür, Teile des Ahneparks mit Wildwiesenblumen zu bestücken.

Sein Beispiel damals: Der Quadratmeter Wildwiesenblumen koste 1,20 bis 1,50 Euro, derjenige der praktizierten aufwendigen Gestaltung aber zwischen 25 und 30 Euro.

Versäumnisse hatte Werner damals auch bei der Baumpflege registriert. Dass heute so viele alte und damit bruchgefährdete Weiden im Ahnepark stünden, liege auch daran, dass nicht rechtzeitig Jungbäume nachgepflanzt worden seien. (swe)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.