Spedition Frölich stellt im GVZ Kassel Frachtzüge nach Verona zusammen – Ausweitung ist angedacht

In der Nacht geht’s nach Italien

Kompletter Anhänger am Haken: Ein 34 Tonnen schwerer Lkw-Auflieger schwebt in der Luft. Innerhalb weniger Minuten wird er vom Lkw abgekoppelt, vom Verladekran in die Höhe gehievt, dort gedreht und punktgenau auf dem Spezialwaggon fixiert. Foto: Frölich / nh

Lohfelden. Die Verladestation im Kasseler Güterverkehrszentrum (GVZ) entwickelt sich prächtig. Immer mehr Fracht wird in Kassel vom Lkw auf die Schiene gepackt. Sieben Güterzüge fahren pro Woche zu den Schiffsterminals an der norddeutschen Küste. Zum Jahreswechsel kamen wöchentlich drei Frachtzüge nach Italien neu hinzu. Die ersten Erfahrungen damit sind gut, eine Ausweitung auf fünf Züge nach Süden ist bereits angedacht.

Jeden Montag, Mittwoch und Freitag stellen die Mitarbeiter am Verladeterminal des GVZ Kassel den Frachtzug für Italien zusammen. Auf 17 Waggons werden 34 komplette Lkw-Sattelauflieger verladen. Um 6 Uhr morgens startet der Zug in Kassel, um 22 Uhr erreicht er seine Endstation Verona. Die Idee für die umweltfreundliche und kostensparende Alpenpassage per Bahn hatte Helmut Frölich (59), Inhaber der gleichnamigen Spedition in Hessisch Lichtenau, bereits vor acht Jahren. Doch die Umsetzung gestaltete sich schwierig. So war im Kasseler Güterbahnhof kein Platz für die zusätzlichen Züge, berichtet Frölich. Die Wirtschaftsförderung in Kassel schaltete sich ein und unterstützte das Vorhaben.

Probleme am Brenner

Auch bei der Alpenpassage über den Brenner gab es zunächst kein Zeitfenster für die Transporte aus Nordhessen. 350 Frachtzüge aus ganz Europa nutzen den Pass jeden Tag, alle acht Minuten fährt ein Güterzug. Und schließlich musste im riesigen Güterbahnhof in Verona Platz zum Be- und Entladen geschaffen werden.

Industriegüter aller Art

Zusammen mit der bedeutenden österreichischen Spedition Nothegger gelang es Frölich schließlich, die Pläne umzusetzen.

Befördert werden Güter aller Art: Aus Nordhessen werden Industriegüter, Stahlerzeugnisse, Elektroartikel und Maschinen verschickt. Auf dem Rückweg gelangen Waren aus Italien wie Lebensmittel und Wein zu uns.

Das Einzugsgebiet in Nordhessen reicht von Hannover, Bielefeld, Dortmund, Allendorf, Fulda bis Magdeburg. Von Verona aus wird das gesamte norditalienische Industriegebiet zwischen Turin, Mailand, Venedig und Florenz bedient.

Investition: 4,5 Mio. Euro

Die Investition der Spedition Frölich war mit 4,5 Millionen Euro beträchtlich. Doch die Vorteile liegen für Helmut Frölich auf der Hand. Die Spedition spare durch den kombinierten Verkehr Straße / Bahn jede Menge des ständig teurer werdenden Dieselkraftstoffs, die Kilometerleistung und damit die Abnutzung der Lkw sinke. Auch das Unfallrisiko sei geringer, außerdem werde die Umwelt entlastet: 18 500 Tonnen CO2 würden pro Jahr vermieden.

Die Auslastung sei gut, nur in Nord-Süd-Richtung gebe es zurzeit Lücken. Durch die Finanzkrise halten sich die Italiener mit Bestellungen zurück. Frölich ist dennoch optimistisch. Sein Ziel: Zum Ende des Jahres will er zwei weitere Frachtzüge pro Woche nach Italien schicken. Foto: privat / nh

Von Holger Schindler

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