Die Nacht des Wahl-Jubels: Reportage aus dem Kreishaus

Kreis Kassel. Ein Wahlsieger, der schon vor Verkündung der Endergebnisse feiern kann. Ein Gegenspieler, der die Niederlage mit Würde trug. Ein Bericht vom Wahlabend.

Als die Bürgerbeauftragte des Landkreises Kassel, Ute Jäger, um 20.28 Uhr das vorläufige amtliche Endergebnis der Landratswahl verkündete (Schmidt: 61,9 Prozent; Weilbach: 38,1 Prozent, alle Wahlergebnisse im Detail hier), hatte sich das Foyer des Kreishauses bereits stark gelichtet. Politische Freunde und Weggefährten des wiedergewählten Uwe Schmidt (SPD) saßen zu dieser Zeit schon in gemütlicher Runde beisammen, um den Wahlsieg zu feiern.Den hatte der alte und neue Landrat bereits eine halbe Stunde zuvor unter dem Beifall der gut 100 Gäste verkündet. „Wenn das Endergebnis auch noch nicht vorliegt, so wird sich grundsätzlich nichts mehr ändern“, gab sich Schmidt gelassen. Als einen Grund seines Erfolgs nannte Schmidt, die Menschen in den zurückliegenden sechs Jahren überzeugt zu haben, über Parteigrenzen hinweg für sie zu arbeiten.

Die geringe Wahlbeteiligung von gerade einmal 26,3 Prozent nannte Schmidt enttäuschend. Gleichwohl wollte er sich allein die Schuld dafür nicht geben. Für die Zukunft sollte sich die Politik überlegen, Kommunal- und Landratswahlen an einem Termin stattfinden zu lassen. Zudem regte er an, die Gründe der durchgängig sinkenden Wahlbeteiligungen wissenschaftlich untersuchen zu lassen.

Unterlegen: CDU-Herausforderer Patrick Weilbach mit Lebensgefährtin Vanessa Becker.

Keinesfalls niedergeschlagen gab sich CDU-Herausforderer Patrick Weilbach, der doch noch kurzfristig den Weg ins Kreishaus gefunden hatte. Zwar räumte er ein, sich ein paar Prozentpunkte mehr erhofft zu haben, doch sei der traditionell rote Landkreis nur schwer zu bekämpfen. Wieder einmal habe sich gezeigt, so sagte Weilbach, dass im Landkreis Kassel eine „durchwachsene Amtszeit“ ausreiche, um den Posten als Landrat zu verteidigen. Durchaus vorstellen kann sich Weilbach im Übrigen, auch in sechs Jahren noch einmal das Rennen um den Chefposten der Kreisverwaltung aufzunehmen. „Die Probleme im Kreis werden sich die nächsten Jahre weiter verschlimmern. Und ich werde helfen, Lösungen zu finden“, kündigte Weilbach an.

Landratswahl: Uwe Schmidt (SPD) feiert Sieg im Kreishaus

Landratswahl: Wahlparty der CDU in Baunatal

Trotz der erneuten Niederlage gewann die Baunataler CDU, Weilbachs Heimat, dem Wahlausgang viele positive Seiten ab: Dort freute man sich über den deutlichen Zugewinn gegenüber der Bürgermeisterwahl und den Sieg ihres Kandidaten in Altenritte. „Das ist ein Spitzenergebnis“, sagte Baunatals Fraktionschef Sebastian Stüssel. Zurückhaltender gab sich CDU-Stadtverbandschef Andreas Mock. Er sprach von einem „Anerkennungserfolg“, auf den man aufbauen könne.

Frustrierend fanden viele CDU-Wahlhelfer, dass Weilbach so wenige junge Altersgenossen zur Wahl locken konnte. Über die Funktion des Landrats hätten wohl zu wenig Bürger eine Vorstellung, meinte Hans-Jürgen Lange, CDU-Fraktionschef im Fulda-brücker Gemeindeparlament.

Lesen Sie auch:

- Einen Kommentar zum Thema

- Alle Wahlergebnisse im Detail

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.